Ryanair steigert Gewinn und Umsatz auf Rekordniveau. Trotz starker Nachfrage verzichtet Europas größte Billigfluggesellschaft wegen geopolitischer Risiken auf eine Jahresprognose.
Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair hat das Geschäftsjahr 2025/2026 mit dem höchsten Gewinn ihrer Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Höhere Ticketpreise und ein deutlich gestiegenes Passagieraufkommen sorgten für kräftiges Wachstum. Gleichzeitig bleibt der Ausblick auf das laufende Jahr ungewöhnlich vorsichtig: Vorstandschef Michael O’Leary sieht die Branche angesichts geopolitischer Krisen vor schwer kalkulierbaren Monaten.
Ryanair: Rekordgewinn dank hoher Nachfrage
Mit einem Nettogewinn von 2,26 Milliarden Euro übertraf Ryanair nicht nur das Vorjahresergebnis deutlich, sondern auch die Erwartungen vieler Analysten. Im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr legte der Gewinn um mehr als ein Drittel zu. Parallel dazu stieg der Umsatz auf 15,5 Milliarden Euro – ein Plus von elf Prozent.
Treiber der Entwicklung waren vor allem die anhaltend hohe Nachfrage nach Flugreisen innerhalb Europas sowie höhere Durchschnittserlöse bei den Tickets. Nachdem viele Airlines in den vergangenen Jahren unter gestiegenen Betriebskosten und Lieferengpässen gelitten hatten, konnte Ryanair ihre Marktposition erneut ausbauen.
Die Fluggesellschaft profitierte zudem davon, dass Verbraucher trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten weiterhin stark in Urlaubs- und Städtereisen investieren. Besonders auf innereuropäischen Strecken bleibt der Wettbewerb intensiv, doch Ryanair gelingt es weiterhin, ihre niedrigen Betriebskosten als Vorteil auszuspielen.
Ryanair verzichtet auf Prognose für 2026
Trotz der starken Zahlen vermeidet der Konzern eine konkrete Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Hintergrund sind vor allem die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sowie die Auswirkungen des anhaltenden Kriegs in der Ukraine.
Nach Einschätzung des Managements könnten sich insbesondere mögliche Störungen bei der Kerosinversorgung oder eine schwächere Nachfrage kurzfristig auf das Geschäft auswirken. Auch die Entwicklung der Energiepreise bleibt ein Unsicherheitsfaktor für die gesamte Luftfahrtbranche.
Ryanair hat nach eigenen Angaben bereits rund 80 Prozent ihres Treibstoffbedarfs abgesichert. Damit schützt sich die Airline zumindest teilweise gegen starke Preisschwankungen am Ölmarkt. Dennoch zeigt sich der Konzern zurückhaltend, da sich geopolitische Konflikte unmittelbar auf Reiselaune, Betriebskosten und Flugplanung auswirken können.
Ticketpreise bei Ryanair geraten unter Druck
Für die Sommermonate erwartet Ryanair keine weiteren Preissteigerungen bei Flugtickets. Während das Unternehmen zuletzt noch von leicht höheren Durchschnittspreisen ausgegangen war, rechnet das Management nun mit stagnierenden Erlösen im wichtigen Reisequartal zwischen Juli und September.
Die Unsicherheit vieler Verbraucher angesichts der internationalen Krisen könnte sich nach Einschätzung der Airline zunehmend auf kurzfristige Buchungen auswirken. Damit zeichnet sich ab, dass sich das dynamische Preiswachstum der vergangenen Jahre vorerst abschwächen dürfte.
Konkurrenten wie Wizz Air bewerten die aktuelle Nachfrageentwicklung dagegen etwas optimistischer. Dort liegen die Buchungszahlen bislang leicht über dem Niveau des Vorjahres.
Kerosinversorgung bleibt entscheidender Faktor
Ein zentrales Thema für die europäische Luftfahrt bleibt die Stabilität der Treibstoffversorgung. Ryanair sieht die Lage derzeit zwar unter Kontrolle, verweist jedoch weiterhin auf bestehende Risiken entlang internationaler Lieferketten.
Nach Angaben des Managements hätten sich Lieferanten inzwischen besser auf die geopolitische Situation eingestellt. Auch andere Airlines rechnen aktuell nicht mit kurzfristigen Engpässen. Dennoch bleibt die Branche anfällig für neue Eskalationen, die sich unmittelbar auf Flugpreise und Betriebskosten auswirken könnten.

