Indiens überarbeiteter Mehrzweckkampfjet ist immer noch nicht bei den Luftstreitkräften angekommen. Die Übergabe der Tejas Mk1A an die indische Luftwaffe (IAF) könnte sich jetzt noch einmal verzögern. 180 Flugzeuge des Typs hat die IAF bestellt.
Obwohl ursprünglich für Anfang 2024 geplant, zeichnet sich nun ab, dass die erste Lieferung frühestens im dritten Quartal dieses Jahres erfolgen wird. Selbst das ist nicht sicher.
In Gesprächen zwischen der IAF, dem staatlichen Rüstungskonzern Hindustan Aeronautics Limited (HAL) und dem Verteidigungsministerium wird derzeit über eine Maßnahme verhandelt, um die Lieferung zu beschleunigen, berichten indische Medien: Die Jets sollen trotz noch nicht vollständig ausgereifter Funktionen abgenommen werden.
Software nicht ausgereift
Die Tejas Mk1A haben ein Softwareproblem. Die Systeme zur elektronischen Kriegsführung sind noch nicht ausgereift, wie indische Medien mit Bezug auf Verteidigungskreise berichten. Die entsprechende Hardware sei an Bord allerdings vorhanden.
Die Aufgaben, die das System übernehmen soll, müssten in dem Fall von einem Piloten manuell ausgeführt werden. An sich sollte das für die indischen Kampfpiloten machbar sein. Allerdings ist es kein gutes Zeichen für einen als “Jet der Generation 4.5” propagierten Fighter, der Indien eigentlich den Anschluss im Kampfflugzeugbau verschaffen sollte. Offiziell ist der Kompromiss aber noch nicht beschlossen.
Neben den Problemen mit der selbst entwickelten Software gab es in der Vergangenheit Schwierigkeiten mit der Interoperabilität zwischen verschiedenen Bordsystemen.
Die Verzögerungen waren allerdings teilweise auch den Lieferketten geschuldet. Insbesondere die F404-IN20-Triebwerke des US-Herstellers GE Aerospace kommen nur schleppend in Indien an. Von einem Auftrag über 99 Triebwerke soll bis Anfang 2026 nur ein Bruchteil bei HAL eingetroffen sein, wie Indiens Flugzeugbauer berichtet.
Als Gegenmaßnahme hat die IAF kürzlich eine Vereinbarung mit GE Aerospace unterzeichnet, um eine Wartungs- und Reparaturanlage für diese Triebwerke auf indischem Boden zu errichten. Das soll die Abhängigkeit von US-Zulieferern verringern, ist aber ein langfristiges Projekt und hilft nicht über den akuten Teilemangel hinweg.
Das Modell wurde von der IAF allerdings als mangelhaft eingestuft und musste verbessert werden. Die Mk1A-Version besitzt im Gegensatz zur Ursprungsvariante ein AESA-Radar. Wie viel besser die Mk1A wirklich ist, kann die Luftwaffe erst testen, wenn die ersten Exemplare dort eintreffen.
Tejas Mk2 lässt weiter auf sich warten
Die Version Mk1A gilt indessen selbst nur als Brückenlösung für die – deutlich veränderte – Tejas Mk2. Doch bei der Tejas Mk2 sieht es ähnlich schlecht aus. HAL peilt nach aktuellen Berichten 2027 für das Roll-out des ersten Prototyps an.
Ursprünglich sollte der deutlich leistungsfähigere Nachfolger bereits 2024 zum Erstflug starten. Doch Finanzierungsverzögerungen und veränderte politische Vorgaben warfen den Zeitplan über den Haufen. Mit dem Beginn der Serienfertigung rechnet niemand mehr vor 2030.
Dipjyotimitra14 (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
80 Prozent aller Teile der Tejas Mk2 sollen aus Indien kommen.
Das neue Modell soll mit modernerem Triebwerk, dem GE F414 statt dem F404 der Mk1A, überarbeiteter Avionik und einem verlängerten Rumpf mit Canard-Flügeln eine deutlich höhere Kampfkraft bieten. Außerdem soll die Mk2 zu 80 Prozent aus indischen Teilen bestehen, also noch einmal gut 20 Prozent mehr als die Mk1.
Stealth-Jet in weiter Ferne
Bei der Entwicklung eines Jets der 5. Generation tritt Indien ähnlich wie beim Tejas-Programm auf der Stelle. Das AMCA-Programm (Advanced Medium Combat Aircraft) soll dem bevölkerungsreichsten Land der Erde einen eigenen Stealth-Kampfjet verschaffen. HAL arbeitet daran seit 2009. Vorzeigbares gibt es bis heute kaum.
Es soll ein zweimotoriger Tarnkappenjet werden, ausgelegt für Überschallflug, mit modernster Avionik und innenliegenden Waffenschächten. Ein Prototyp existiert bis dato nicht. Bis in die 30er Jahre wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch keinen geben.

