Klasjet ist in zwei Segmenten aktiv: VIP-Vollcharter und im Wet-Lease-Geschäft. Wie verteilt sich das Geschäft derzeit?
Justinas Bulka*: Die Umsätze teilen sich in etwa hälftig auf. Interessant ist, dass sich die beiden Segmente gut ergänzen. Als 2023 und 2024 das Wetlease-Geschäft stark wuchs, war der VIP-Bereich etwas verhaltener. Jetzt sehen wir im VIP-Segment eine deutlich stärkere Nachfrage: Wir sind 2025 um rund 20 Prozent gewachsen im Vergleich zum Vorjahr. Im Wetlease-Markt hat sich die Lage nach dem Post-Covid-Boom etwas stabilisiert, was wir so erwartet hatten.
Müsste der Wet-Lease-Markt angesichts des anhaltenden Flugzeugmangels bei den Herstellern nicht eigentlich boomen?
Das hat er auch bis Ende 2025. Auch die Nachfrage für den Sommer 2026 war zunächst sehr stark. Dann hat der Konflikt im Nahen Osten einige Airlines dazu gebracht, ihre Sommerprogramme zu überdenken oder auf Eis zu legen. Die klassischen europäischen Destinationen wie die Türkei oder Ägypten liegen geografisch nah an der Krisenregion, das spüren die Carrier. Wir orientieren uns deshalb stärker Richtung Afrika oder anderen Regionen, wo wir ebenfalls gute Kunden haben.
Aber ist die Klasjet-Flotte von fünf Boeing 737-800 für den Sommer gut gebucht?
Vier der fünf Flugzeuge sind vertraglich für den gesamten Sommer vergeben, zum Teil sogar bis in den Winter hinein. Für das fünfte Flugzeug haben wir mehrere Optionen, die wir gerade finalisieren. Wir sind für den Sommer faktisch ausgebucht.
Können Sie Ihre Wet-Lease-Kunden nennen?
Einer unserer größten Kunden ist El Al, die israelische Fluggesellschaft. Mit ihnen verbindet uns ein langfristiger Vertrag, und ein Großteil unserer Wet-Lease-Flotte fliegt für sie. Den fünften Vertrag werde ich erst bekanntgeben, wenn er unterzeichnet ist. Wir holen immer die Genehmigung unserer Kunden ein, bevor wir Partnerschaften öffentlich kommunizieren.
Sie waren auch in Afrika aktiv, unter anderem für Air Peace in Nigeria. Wie war diese Erfahrung?
Sehr positiv. Air Peace ist eine professionelle Airline mit einem guten Management, das unsere Crews stets unterstützt hat. Natürlich hat jede Region ihre Besonderheiten, aber Herausforderungen löst man durch Kommunikation und gegenseitigen Willen. Afrika ist für uns ein wachsender Markt, auch demografisch betrachtet. Wir sehen dort langfristig echtes Potenzial.
In früheren Interviews haben Sie ein Ziel von 40 bis 45 Flugzeugen genannt. Davon scheinen Sie abgerückt zu sein. Was hat sich geändert?
Ich habe dieses Ziel stets mit dem Vorbehalt genannt: Wir wachsen nicht um jeden Preis. Der Leasingmarkt war in den letzten Jahren sehr angespannt und teuer. Entscheidungen müssen wirtschaftlich sinnvoll sein. Im Moment bewegen wir uns eher in Richtung Konsolidierung und Optimierung. Innerhalb der Avia Solutions Group streben wir an, die Boeing-Aktivitäten von Klasjet und Air Explorer unter einem gemeinsamen operativen Zentrum zusammenzuführen. Das würde eine Flotte von rund 20 Flugzeugen schaffen, was für uns eine sehr solide Größe ist.
Air Explore, die slowakische Schwesterngesellschaft in der Avia Solutions Group, hat zuletzt erhebliche Schwierigkeiten erlitten und wird mit Klasjet zusammengeführt. Welche Verbindlichkeiten übernehmen Sie dabei, und wie beeinflusst das Ihre eigene finanzielle Stabilität?
Wir befinden uns mitten in einem laufenden Prozess, zu dem ich zum jetzigen Zeitpunkt keine detaillierten Zahlen nennen kann. Was ich sagen kann: Unser Ziel ist eine schlanke, profitable Einheit. Die Konsolidierung ist eine bewusste strategische Entscheidung der Gruppe, um Synergien zu heben und Kosten zu optimieren. Klasjet selbst steht operativ auf einem soliden Fundament. Aber Ihre Frage stellt Air Explore sehr negativ dar. Ich könnte sagen, dass jedes Unternehmen seine guten und schlechten Momente hat.
Air Explore bedient weiterhin seine Verbindlichkeiten und betreut seine Kunden, startet seine Sommerprogramme. Die Airline hat mehrere langfristige Verträge in Afrika. Das Cargo-Segment ist nicht profitabel, und die Absicht ist, dieses Geschäftssegment schrittweise aufzugeben und uns vollständig auf unseren Kernbereich, das Passagiergeschäft, zu konzentrieren.
Und wie genau soll die Zusammenarbeit zwischen Klasjet und Air Explore künftig aussehen?
Wir planen mit etwa 30 Prozent VIP und 70 Prozent ACMI. Im VIP-Bereich wollen wir die Flotte von derzeit fünf auf sieben Flugzeuge ausbauen. Air Explorer betreibt zusätzlich zwei Frachtflugzeuge, aber von der Cargo-Aktivität wollen wir uns mittelfristig trennen und uns ganz auf den Passagierbereich konzentrieren.
Klasjet plant die Einführung eines Boeing 737 BBJ im dritten oder vierten Quartal 2026. Was kann man sich darunter vorstellen?
Ein sehr exklusives Flugzeug: 22 Sitzplätze, ausgestattet mit Sofas, einem Konferenzraum, einer Dusche. Es ist eigentlich eher ein fliegender Privatjet im Großformat. Wir überarbeiten das Interieur gerade noch, und einige Modifikationen benötigen Zulassungen der Behörden. Deshalb hat sich der Zeitplan etwas verzögert, aber der Herbst oder Winter dieses Jahres ist unser Ziel.
Ursprünglich war eine Stationierung in Dubai oder Saudi-Arabien geplant. Gilt das noch?
Angesichts der aktuellen Lage im Nahen Osten werden wir diese Entscheidung nicht vor Ende des Sommers treffen. Interessanterweise erhalten wir bereits Anfragen für dieses Flugzeug, bevor es überhaupt in Betrieb geht. Die Nachfrage ist unabhängig davon, wo wir es stationieren. Europa, Indien oder der Nahe Osten kommen alle in Frage.
Bei den VIP-Flügen ist Fußball ein wichtiges Segment. Können Sie das konkretisieren?
Sport macht rund 60 Prozent unserer VIP-Einnahmen aus, und Fußball dominiert dieses Segment mit etwa 85 Prozent. Wir fliegen sowohl Nationalmannschaften als auch Vereinsmannschaften, bei Champions-League-Spielen ebenso wie bei WM- und EM-Qualifikationsspielen. Unsere Flotte ist bewusst individualisiert: Jedes unserer fünf VIP-Flugzeuge hat seine eigene Lackierung und seine eigene Kabinenkonfiguration. Die Vereine reagieren sehr gut darauf.
Die WM 2026 findet in den USA, Kanada und Mexiko statt. Nordamerika ist ein Markt, in dem Klasjet nicht operiert. Spüren Sie das?
Das ist ein echtes Thema. Nationalmannschaften, die ansonsten mit uns durch Europa fliegen würden, sind im Sommer in Nordamerika. Wir haben das einkalkuliert und kompensieren auf zwei Wegen: Erstens fliegen Vereinsmannschaften weiterhin zu ihren nationalen und europäischen Wettbewerben. Zweitens haben wir das Unterhaltungssegment erheblich ausgebaut. Musiker, die im Sommer auf Tour gehen, buchen unsere Flugzeuge für die gesamte Tour. Wir reservieren bereits jetzt Kapazitäten für Musiktouren im Sommer 2026.
Was sind die besonderen Anforderungen bei Fussballklubs?
Vereine achten sehr genau auf Ernährung und Disziplin. Bei einer Gelegenheit haben wir die Initiative ergriffen und einem Spieler zum Geburtstag ein Stück Kuchen mitgebracht. Es war gut gemeint, aber unabgestimmt. Seitdem stimmen wir alles mit den Vereinen ab, bevor wir auf eigene Initiative handeln. Es kann Allergien geben, es kann mit Ernährungsplänen kollidieren. Heute tun wir genau das, was der Kunde verlangt.
Wie groß ist das Team hinter Klasjet?
Rund 100 Menschen arbeiten im Büro: die Kommerzabteilung, Wartung, Koordination, technische Dokumentation, Flugbetrieb, Bodenabfertigung, Sicherheit, Compliance und vieles mehr. Die Luftfahrt ist stark reguliert, und wir müssen alle Anforderungen erfüllen. Ich bin sehr stolz auf dieses Team. Die Menschen lösen scheinbar unlösbare Probleme, oft rund um die Uhr, und ich kann ihnen jeden Tag danken. Sie verdienen das Beste.
*Justinas Bulka studierte Finanzen an der Universität Vilnius. Er startete seine Karriere in der Finanz- und Immobilienbranche, unter anderem in Spanien. 2018 stiess er als Finanzchef zu Klasjet. 2019 übernahm er das Amt des Airline-Chefs bereits einmal interimistisch. Im Mai 2023 wurde er fest zum Chef ernannt. Bulka spricht Litauisch, Spanisch, Englisch, Deutsch und Russisch.
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