Insgesamt rund zwei Dutzend Militärflugzeuge schickten Russland und China am besagten Tag für ein gemeinsames Manöver in die Luft, das sich über das Japanische Meer, das ostchinesische Meer und den westlichen Pazifik erstreckte. Die Russen stellten unter anderem vier Tupolew Tu-95MS, “strategische Raketenträger”, die am frühen Morgen (UTC) vom Luftwaffenstützpunkt Ukrainka aus gestartet waren. Begleitet wurden die Turboprop-Bomber von zwei Iljuschin Il-78-Tankflugzeugen.
Öffentlich zugänglichen Flugaufzeichnungen zufolge tauchte das Tu-95-Quartett gegen 8 Uhr UTC über dem Japanischen Meer auf. Zwei der bei der NATO “Bear” genannten Viermots flogen gegen 10 Uhr UTC weiter in den Luftraum über dem Ostchinesischen Meer. Dort trafen sie auf vier Xian H-6K aus China – und auf zwei “Bear”-Seefernaufklärer vom Typ Tu-142 der russischen Marineflieger, die vom Flughafen Wladiwostok gestartet waren.
Vereint nahm der Kampfflieger-Pulk schließlich Kurs Richtung Pazifik. “Die Dauer des gemeinsamen Fluges betrug etwa sechs Stunden”, schrieb das russische Verteidigungsministerium im Nachgang. Außerdem hielt das Ministerium in seiner Mitteilung fest: “Auf einzelnen Abschnitten der Route wurden die strategischen Raketenträger von Kampfflugzeugen ausländischer Staaten begleitet.”
F-15 und F-35A als Abfangjäger
Bei den “Kampfflugzeugen ausländischer Staaten” handelte es sich namentlich um (mindestens zwei) Lockheed Martin F-35A der US Air Force sowie (mutmaßlich) ebenfalls zwei Boeing F-15J der japanischen Luftselbstverteidigungskräfte. Die F-35A waren aller Wahrscheinlichkeit nach vom Fliegerhorst Misawa in Japan gestartet, wo die US-Luftwaffe die Stealth-Jets seit einigen Wochen stationiert hat. Da die russisch-chinesische Formation zeitweise auch an der Grenze Südkoreas entlangflog, ließ die südkoreanische Luftwaffe eigenen Angaben zufolge ebenfalls Kampfjets aufsteigen, “um sich auf alle möglichen Notfälle vorzubereiten.”
Die russische Luftwaffe hatte außerdem je zwei Suchoi Su-30SM und Su-35S als Begleitjäger entsandt, auf chinesischer Seite nahmen bis zu sechs Shenyang J-16 an dem Übungsflug teil. Ferner wirkten eine russische Berijew A-50U und eine chinesische Shaanxi KJ-500, in angemessener Distanz fliegend, als Frühwarnflugzeuge mit. Die H-6K-Bomber aus China wurden darüber hinaus von YY-20A-Tankern unterwegs mit Kerosin versorgt.
Keine Luftraumverletzungen, sagt Russland
Das russische Verteidigungsministerium legte Wert darauf, dass die eingesetzten Kampfflugzeuge “beider Länder streng im Einklang mit den Bestimmungen des Völkerrechts” operierten. Zu keiner Zeit sei es unterwegs zu Luftraumverletzungen zu Lasten fremder Staaten gekommen. “Die Maßnahme wurde im Rahmen der Umsetzung des Plans zur militärischen Zusammenarbeit für das Jahr 2026 unternommen und richtete sich nicht gegen Drittstaaten”, heißt es aus Moskau weiter. “Nach Abschluss der gemeinsamen Luftpatrouille kehrten alle beteiligten Flugzeuge zu ihren Heimatflugplätzen zurück.”
Antwort auf US-Übung?
Aus China war derweil zu vernehmen, dass die großangelegte bilaterale Luftpatrouille als Antwort auf die derzeit stattfindende Übung “Valiant Shield” zu werten sei, an der im westpazifischen Raum Einheiten aus den USA, Japan, Australien und den Philippinen beteiligt sind. Mit dem gemeinsamen Übungsflug habe man gegenüber den bei “Valiant Shield” gebündelten Akteuren die “Entschlossenheit und Fähigkeit demonstriert, gemeinsam den regionalen Frieden und die Stabilität zu wahren”, so das Verteidigungsministerium in Peking.
Sowohl Japan als auch Südkorea legten inzwischen formell Protest ein, weil die russischen und chinesischen Flugzeuge zumindest für kurze Zeit in die jeweilige Luftverteidigungszone eingedrungen seien. Das chinesische Außenministerium erwiderte, es gebe keinen Grund, überzureagieren – sei der Patrouillenflug doch Teil der jährlich gemeinsam abgehaltenen militärischen Aktivitäten Russlands und Chinas, und damit Routine, gewesen.
Bereits im Vorfeld von “Valiant Shield” hatte Chinas Regierung allerdings gewarnt, dass die unter Leitung der USA abgehaltene Übung zu einer unbeabsichtigten Eskalation führen könne.

