Normalerweise herrscht über dem Weißen Haus ein striktes Flugverbot. Die sogenannte Prohibited Area P-56 untersagt jeglichen Luftverkehr vom Boden bis in eine Höhe von 5,5 Kilometern. Am Nationalfeiertag der USA war es jedoch mit der Ruhe vorbei: Zahlreiche Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Transporter überflogen das Gelände rund um die National Mall. Anlass war die Parade zum 250. Geburtstag des Landes. Unter dem Motto “Salute to America” brachten US Air Force, US Army, US Marine Corps, US Navy US Coast Guard und die NASA mehr als 100 Flugzeuge und Hubschrauber in der Luft.
Das ganze Spektakel begann interessanterweise nicht mit einem Kunstflugteam wie Blue Angels oder Thunderbirds, sondern um 13.14 Uhr Ortszeit mit einer Vier-Formation von privat zugelassenen Northrop F-5 Tiger. Angeführt wurde sie von NASA-Administrator Jared Isaacman persönlich, der seine eigene Maschine steuerte. Die Jets hatten eigens einen weiß-blauen Sonderanstrich erhalten. Laut Wall Street Journal hatte zuvor die US-Luftfahrtbehörde FAA angeblich versucht, den Überflug zu untersagen, da die F-5 zu alt und zu unsicher für das Überfliegen von dicht besiedeltem Gebiet sei. Das Muster wird jedoch im Auftrag des US-Streitkräfte als Zieldarsteller verwendet und wurde eingehend modernisiert. Anschließend folgten weitere Jets der NASA-Flotte, einschließlich je einer F-15 Eagle und F/A-18 Hornet komplett als fliegende Flaggen kostümiert.
Alle Muster in der Parade
Nach Überflügen von Maschinen der US Coast Guard war die US Army an der Reihe. Den Anfang machte das Fallschirmsprung-Team Golden Knights. Ein Springer brachte eine rund 465 Quadratmeter große US-Flagge zu Boden. Anschließend folgte eine Formation aus je zwei CH-47 Chinook, AH-64 Apache und vier UH-60 Black Hawk. Dann übernahm die US Air Force mit ihren Schwergewichten, jeweils eine C-17 Globemaster, KC-135, KC-46 und C-5M flogen hintereinander ein.
Die zweite Welle des USAF Fleet Reviews konzentrierte sich auf das Special Operations Command. Die Formation umfasste zwei AC-130J-Gunships, zwei CV-22B Osprey und zwei OA-1K Skyraider II. Der nächste Block konzentrierte sich auf die Kampfjets: zwei F-15E Strike Eagle und zwei F-16 Fighting Falcon flogen gemeinsam. Dann folgte eine bis dato einzigartige Formation aus Präsidentenhubschraubern der Marines-Staffel HMX-1: VH-3 Sea King, VH-60 Black Hawk und VH-92 Patriot. Hinter dem Trio kamen drei UH-1N von der Andrews AFB über die Mall.
Jumbo-Premiere vor Gewitter
Der nächste Block gehörte dem US Marine Corps, das seine Flotte zeigte: je zwei AH-1Z, CH-53, und UH-1Y flankiert von vier MV-22B, alle von der MCAS New River. Bei den Flächenflugzeugen waren es je zwei F/A-18 Hornet, F-35 Lightning II und KC-130 Hercules. Die US Navy folgte mit je zwei MH-60R und MH-60S, einer P-8A Poseidon sowie einer Jet-Formation aus je zwei F/A-18 Super Hornet und F-35C Lightning II. Anschließend gab es eine Solo-Vorführung einer F/A-18F, das Display der Blue Angels sowie je eine Leistungsdemonstration der MV-22B Osprey und F-35B Lightning II. Gegen 18.00 überflog eine Dreier-Formation aus den Bombern B-1, B-2 und B-52 das Gelände. Dann konnten vor den aufziehenden Gewitterwolken die Thunderbirds der USAF ihr Können zeigen.
Die Kunstflugstaffel sollte das vorletzte Luftfahrt-Highlight bleiben. Die Formation der neuen Boeing 747 als Air Force One mit vier F-22 Raptor konnte gerade noch ihren Auftritt absolvieren, dann wurde aufgrund der Wetterbedingungen der Rest der Überflüge abgesagt. Zu den ausgefallenen Highlights zählten der Rest der “Huge 1” genannten Formation um den Jumbo, ein Solo-Display der F-22, weitere Muster der USAF und eine Stealth-Formation. Nachdem sich das Wetter gebessert hatte, gab es am Abend noch einen Nachbrenner-Vorbeiflug der B-1B Lancer. Auch ohne das Wetterpech gab es zwischen den einzelnen Punkten des auf mehr als sieben Stunden angelegten Programms meist längere Pausen. Ein Teil der beteiligten Fluggeräte kam von der Andrews Air Force Base.

