DLR-Daten zeigen: Der Low-Cost-Markt boomt weltweit, doch Deutschland bleibt zurück. Ticketpreise steigen, innerdeutsche Verbindungen schrumpfen weiter.
Billigflieger bestimmen den globalen Luftverkehr so stark wie nie zuvor. Fast jeder dritte Passagierflug weltweit wird mittlerweile von einer Low-Cost-Airline durchgeführt. Doch während sich das Segment in weiten Teilen Europas dem Vorkrisenniveau angenähert hat, bleibt Deutschland deutlich zurück. Das geht aus der aktuellen Ausgabe des MONITOR Luftverkehr und Low-Cost des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervor, der die Entwicklung des Winterflugplans 2026 sowie aktuelle Preisdaten für das Frühjahr 2026 auswertet.
Weltweiter Low-Cost-Markt übertrifft Vorkrisenniveau
Der globale Luftverkehr hat sich nach den Corona-Jahren erholt und lag 2025 mit rund 4,8 Milliarden beförderten Passagieren bereits das zweite Jahr in Folge über dem Niveau von 2019. Der Low-Cost-Anteil liegt weltweit bei etwa 30,5 Prozent aller planmäßigen Flüge, in Europa und Asien sogar bei rund 35 Prozent. Allein in Europa zählte der Winterflugplan 2026 knapp 40.000 Low-Cost-Flüge auf mehr als 7.100 Strecken in 44 Länder, ein Beleg dafür, wie fest verankert das Billigflug-Segment inzwischen im internationalen Reisemarkt ist.
Deutschland fällt bei Low-Cost-Flügen zurück
Im deutschen Markt zeichnet sich ein anderes Bild. Von den rund 219 Millionen Passagieren, die 2025 deutsche Flughäfen nutzten, reisten knapp 59 Millionen mit einer Billigairline, ein Anteil von 27 Prozent. Das gesamte Flugangebot ab Deutschland lag im Winter 2026 rund 35 Prozent unter dem Stand von 2019, während Europa insgesamt bereits wieder bei etwa 88 Prozent des Vorkrisenwerts angekommen ist. Im Low-Cost-Bereich fällt der Rückstand noch größer aus: Mit 2.238 wöchentlichen Starts lag das Angebot 58 Prozent unter 2019 und sogar 3,4 Prozent unter dem Vorjahr. Der Marktanteil von Billigfliegern an allen Starts ab Deutschland liegt bei 21 Prozent. Europaweit sind es rund 31 Prozent.
Grund für die schwache Entwicklung sind offenbar unternehmerische Entscheidungen der großen Anbieter. Ryanair, größter Low-Cost-Carrier Europas, hat sein Deutschland-Angebot gegenüber 2019 spürbar zurückgefahren, während die Airline in anderen europäischen Ländern weiter expandiert. Auch Easyjet fliegt hierzulande noch immer seltener als vor der Pandemie.
Innerdeutsche Low-Cost-Verbindungen fast verschwunden
Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei Verbindungen innerhalb Deutschlands. Machten sie zu Beginn der Marktentwicklung Anfang der 2000er-Jahre noch die Hälfte aller Low-Cost-Flüge aus, sind es heute nur noch rund zwölf Prozent. Aktuell werden innerdeutsch weniger als 300 Low-Cost-Flüge pro Woche angeboten – im Winterflugplan 2008 waren es noch mehr als 2.000. International dominieren dagegen Spanien und Großbritannien mit jeweils über 6.000 wöchentlichen Starts als wichtigste Quell- und Zielländer, vor Italien, Frankreich und der Türkei.
Low-Cost-Flughäfen: Gewinner und Verlierer
Zwischen den deutschen Standorten gibt es erhebliche Unterschiede. Berlin führt mit rund 484 wöchentlichen Low-Cost-Abflügen, gefolgt von Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn und Stuttgart. Den höchsten relativen Anteil am Gesamtverkehr haben jedoch kleinere Flughäfen wie Weeze, Karlsruhe, Memmingen und Hahn, wo Billigflieger jeweils mehr als 90 Prozent des Angebots stellen. In Frankfurt und München liegt der Anteil dagegen bei unter fünf Prozent. Mehrere dieser kleineren, stark auf Low-Cost ausgerichteten Flughäfen haben ihr Vorkrisenniveau inzwischen wieder erreicht oder übertroffen.
Ticketpreise im Low-Cost-Segment steigen
Auch bei den Preisen zeichnet der MONITOR ein klares Bild: Im Frühjahr 2026 lagen die durchschnittlichen Bruttopreise je nach Airline zwischen 81 und 141 Euro und damit über den Werten früherer DLR-Erhebungen. Am günstigsten war Wizz Air mit durchschnittlich 81 Euro, vor Ryanair mit 90 Euro und easyJet mit 107 Euro. Wer erst einen Tag vor Abflug buchte, zahlte im Schnitt zwischen 118 und 201 Euro, bei einer Buchung drei Monate im Voraus lagen die Preise zwischen 71 und 97 Euro.
Das DLR weist darauf hin, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt, die sich nur eingeschränkt mit früheren Zeitpunkten vergleichen lässt, da sich die Preisentwicklung je nach Strecke, Markt und Airline stark unterscheidet. Erkennbar ist aber, dass die Preise seit Beginn des aktuellen Irankriegs gestiegen sind. Belastbare Aussagen zu Ursache und Ausmaß lassen sich daraus laut DLR derzeit jedoch nicht ableiten.
Erste Effekte des Nahost-Konflikts sichtbar
Ergänzende Zahlen aus dem Global Aviation Monitor des DLR zeigen für Juni 2026 einen Rückgang der Flüge im Mittleren Osten um rund 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland sanken die Gesamtabflüge um etwa sechs Prozent, weltweit um rund ein Prozent. Während die Kapazitäten ab Deutschland nach Afrika, Südamerika und Asien ausgebaut wurden, ging das Angebot nach Europa zurück. Die Verbindungen in den Nahen Osten brachen um 27 Prozent ein. Ob es sich dabei um eine kurzfristige Reaktion oder einen längerfristigen Trend handelt, lässt sich laut DLR aktuell noch nicht bewerten.

