Der Flughafen Tirana erlebt seit Jahren ein enormes Wachstum. Seit der Übernahme der Konzession durch den albanischen Flughafenbetreiber Kastrati Group Ende 2020 haben sich die Passagierzahlen beinahe verzehnfacht. Für Flughafenchef Pierfittorio Farabbi ist das erst der Anfang: «Ich sehe für die Zukunft weiterhin ein stabiles Wachstum und denke, dass wir in den nächsten Jahren rund 8 bis 9 Prozent weiteres Wachstum pro Jahr verzeichnen werden», sagt Farabbi im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. Bereits in fünf Jahren könne der Airport der albanischen Hauptstadt «zwischen 18 und 20 Millionen Passagiere» abfertigen.
Dabei sei die Entwicklung bisher oft noch dynamischer verlaufen als erwartet. «Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir regelmäßig unsere Voraussagen weit übertroffen haben», so Farabbi. Wachstumspotenzial sieht er aktuell nicht nur in Europa.
Air Transat bringt Tirana die erste Langstrecken-Linienroute
«Betreffend des weiteren Wachstums sehe ich immer noch ein Potenzial am europäischen Markt, aber auch im Mittleren Osten und den Golfstaaten», so der Flughafenchef. Zudem hoffe man auf zusätzliche Verbindungen in die GUS-Staaten sowie langfristig auch auf eine Rückkehr der Märkte Russland und Ukraine. Vor Kriegsbeginn sei die Ukraine «unser größter touristischer Markt mit rund 300.000 Passagieren jährlich» gewesen, sagt er.
Große Hoffnungen setzt Tirana zudem in die Langstrecke. Am 18. Juni hat Air Transat wöchentliche Flüge von Toronto nach Tirana aufgenommen. Es ist die erste Langstrecken-Linienverbindung für den Flughafen. «Das Feedback ist großartig», kommentiert der gebürtige Italiener Farabbi. Die kanadische Fluggesellschaft sei «mit der Buchungslage mehr als zufrieden». Der Erstflug aus Toronto sei «zu 100 Prozent ausgebucht» gewesen.
«Bequemer Direktflug wird Nachfrage der Diaspora erhöhen»
Farabbi ist überzeugt, dass die neue Verbindung nur der Anfang ist. «Ich gehe deshalb davon aus, dass der Air-Transat-Flug nach Toronto ein großer Erfolg wird und dass die Nachfrage nach Direktflügen nach Nordamerika zukünftig noch weiter steigen wird.» Vor allem die albanische Diaspora spiele dabei eine wichtige Rolle. «Ein bequemer Direktflug wird die Nachfrage der Diaspora weiter erhöhen», sagt der Flughafenchef.
«Es gibt bereits die Bestätigung von Air Transat, dass diese Flüge auch im kommenden Jahr angeboten werden, jedoch über einen längeren Zeitraum als in diesem Jahr», so Farabbi. Nun hoffe man, «dass man sich in einem weiteren Schritt dazu entschließt, auch mehr wöchentliche Flüge anzubieten».
Potenzial des Economy-Verkehrs von und nach New York
Besonders großes Potenzial sieht der Manager in den USA. «Es gibt ein großes Potenzial nach New York», sagt er. Die Auswertung der Umsteigepassagiere habe ergeben, dass New York mit rund 150.000 Reisenden jährlich der mit Abstand wichtigste Markt sei. «Wenn man das Potenzial des Economy-Verkehrs berechnet, so könnte man heute bereits eine tägliche Verbindung zwischen New York und Tirana anbieten», so Farabbi. «Ich glaube deshalb fest daran, dass die Fluglinien das Risiko eingehen sollten.»
Den rasanten Aufstieg des Flughafens führt der Chef vor allem auf langfristiges Denken und hohe Investitionen zurück. «Ich möchte jetzt nicht romantisch klingen, aber zunächst einmal haben wir an das Potenzial und an den Erfolg des Projekts auf lange Sicht geglaubt», erklärt er. Mehr als 160 Millionen Euro seien investiert worden. Zudem habe man «die Tarife um rund 25 Prozent reduziert» und Fluggesellschaften mit attraktiven Konditionen angelockt. «Sowohl Wizz Air als auch Ryanair haben heute eine Basis am Tiraner Flughafen. Beide sind erfolgreich, unter anderem auch, weil sie an das Potenzial des Flughafens geglaubt haben.»
Langfristig denkt man in Tirana über zweites Terminal nach
Auch infrastrukturell bereitet sich Tirana auf weiteres Wachstum vor. Nach Abschluss der laufenden Ausbauarbeiten werde der Flughafen über «rund 120.000 Quadratmeter Terminalfläche» verfügen, so Farabbi. Damit könne man «rund 15 bis maximal 20 Millionen Passagiere abfertigen». Langfristig denkt er sogar über ein zweites Terminal nach.
Zugleich schaut der Flughafenchef auf den noch nicht eröffneten Airport Vlora. «Um ehrlich zu sein, hoffen wir sogar darauf, dass der Flughafen möglichst bald öffnet», sagt Farabbi. Der neue Flughafen könne helfen, «die Sommerspitzen in Tirana etwas abzufedern», auch wenn «Tirana wohl immer das Drehkreuz des Landes bleiben wird».
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