Bell AH-1Z Viper und UH-1Y Venom sind technisch eng verwandt – doch ihre Rollen sind verschieden: Die AH-1Z, Topversion der legendären Bell AH-1 Cobra, dient als moderner Kampfhubschrauber, während die “Huey”-Erbin UH-1Y als vielseitiger Mehrzweck-Helikopter im Verkaufsprospekt gelistet ist.
Laut Hersteller Bell bestehen UH-1Y und die AH-1Z zu 85 Prozent aus identischen Komponenten. Sie teilen sich die gleichen Triebwerke, den gleichen Rotor und dasselbe Missionssystem. Das macht die beiden Helikopter als Gespann zum attraktiven Gesamtpaket, vereinfacht es doch Bau, Wartung und Betrieb enorm. Ein Argument, das 2019 auch Tschechiens Regierung überzeugte – weswegen sie in den USA acht UH-1Y und vier AH-1Z im Paket bestellte, um damit die Mil-Muster Mi-17 und Mi-24/35 zu ersetzen, die noch aus der Zeit des Kalten Krieges stammen. Später stockte Tschechien die Order gar noch um sechs Viper und zwei Venom aus Gebrauchtbeständen der US Marines auf.
Die große Teilegleichheit der beiden Hubschrauber hat allerdings auch einen Haken – und den bekommen die Tschechen jetzt zu spüren. Denn nach dem Absturz einer tschechischen UH-1Y darf vorerst nicht nur die ganze Venom-Flotte nicht mehr fliegen. Auch die AH-1Z Viper der tschechischen Armee sind bis auf Weiteres an den Boden gefesselt.
Mil Mi-24/35 im Einsatz in Tschechien
Warum stürzte die UH-1Y Venom ab?
Die UH-1Y Venom war am 23. Juli auf dem Gelände der 22. Taktischen Luftwaffenbasis in Náměšť abgestürzt. Ein Soldat kam dabei ums Leben, vier weitere Insassen wurden verletzt.
Die Hintergründe des fatalen Unfalls sind noch weitestgehend unklar, die Ermittlungen laufen. Nach Angaben eines Sprechers der tschechischen Streitkräfte werden sich selbige auf sämtliche relevanten Aspekte erstrecken – den technischen Zustand des Hubschraubers und seine Wartungshistorie, betriebliche Gegebenheiten, Wetter sowie Flugverfahren und Aktionen der Besatzung.
Grounding aller H-1-Hubschrauber
Da ein technischer Defekt ausdrücklich nicht ausgeschlossen wird, hat die Armee überdies eine dringende Flottenüberprüfung aller im Einsatz stehender H-1-Hubschrauber angeordnet. Somit ist von dem tödlichen Venom-Crash nicht nur die UH-1Y-Flotte direkt betroffen. Auch sämtliche AH-1Z Viper in tschechischen Diensten haben dadurch Flugverbot und sind bis auf Widerruf außer Gefecht gesetzt.
Lieferung der ersten Bell AH-1Z Viper an Tschechien
Mi-24/35 sind längst in der Ukraine
Beide Bell-Muster haben auf der 22. Taktischen Luftwaffenbasis ihr Zuhause. Die ersten beiden AH-1Z hatten Tschechien im Sommer 2023 an Bord einer C-17 Globemaster III der US Air Force erreicht. Die beiden weiteren neu bestellten Kampfhubschrauber folgten 2024. Im Herbst 2023 waren in Tschechien die letzten Mi-35 Hind in Pension geschickt worden – diese altgedienten Kampfhubschrauber gingen wenig später in die Ukraine.
Durch das H-1-Grounding verfügt Tschechien damit vorerst über keine aktiven Kampfhubschrauber. Auch die Mehrzweckkomponente wird durch den vorübergehenden Ausfall der acht in Dienst befindlichen UH-1Y Venom stark geschwächt. Hier können die Tschechen allerdings noch auf aktive Restbestände in Gestalt mehrerer Mil Mi-171Sch zurückgreifen.

