Boeing meldet einen höheren Quartalsverlust als erwartet, belastet durch das Air-Force-One-Programm. Zugleich zeigt der freie Cashflow erste Erholungssignale.
Boeing hat im zweiten Quartal einen deutlich höheren Verlust ausgewiesen, als Analysten erwartet hatten. Grund ist unter anderem eine Sonderbelastung von 280 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit dem Programm zum Bau der neuen Air Force One. Der US-Flugzeugbauer musste zusätzliche Engineering-Kosten aufwenden, um die Auslieferung der beiden verspäteten Präsidentenmaschinen bis 2028 zu sichern. Insgesamt verbuchte Boeing einen Nettoverlust von 428 Millionen Dollar.
Bereinigter Verlust übertrifft Erwartungen
Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 76 Cent und damit deutlich über der von Analysten im Schnitt prognostizierten Marke von 30 Cent, wie aus Daten des Finanzdienstleisters LSEG hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, als Boeing noch 1,24 Dollar Verlust je Aktie verzeichnete, fällt das Ergebnis dennoch besser aus.
Cashflow bei Boeing zeigt Erholung
Positiver Lichtblick: Der freie Cashflow drehte ins Plus und lag bei 631 Millionen Dollar, nach minus 200 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Das Unternehmen begründete den Anstieg unter anderem mit höheren Zahlungseingängen von Kunden. An der Jahresprognose von 1 bis 3 Milliarden Dollar freiem Cashflow hält Boeing fest. Es wäre der erste positive Wert seit 2023. Getragen wird die Entwicklung auch von der laufenden Steigerung der Produktion des Bestsellers 737 MAX.
Gleichzeitig erhöhte Boeing seine Investitionen. Im Fokus stehen der Ausbau der 787-Fertigung in South Carolina sowie Kapazitäten für Militärflugzeuge im Raum St. Louis, Missouri.
Air-Force-One-Programm weiter im Verzug
Das eigentliche Sorgenkind bleibt der Umbau zweier Boeing 747-8 zu neuen Präsidentenmaschinen. Der 2018 unterzeichnete Festpreisvertrag über 3,9 Milliarden Dollar liegt inzwischen rund vier Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan und übersteigt das Budget um mehr als eine Milliarde Dollar.
Als Übergangslösung nutzt US-Präsident Donald Trump derzeit eine von Katar gespendete Boeing 747-8, die vorübergehend als Air Force One fliegt. Trump erklärte jedoch, dass die Maschine nach Kritik an ihren Sicherheitsmerkmalen bald zur Nachrüstung außer Dienst gestellt werden solle.
Für Boeing bleibt das Präsidentenflugzeug-Programm damit ein finanzielles Risiko, während der Konzern insgesamt auf dem Weg der operativen Stabilisierung ist.

