Südkorea intensiviert seine Bemühungen um die Entwicklung eines eigenen Kampfflugzeugs der sechsten Generation. Zwei staatliche Institutionen verfolgen dabei parallele Ansätze: die Beschaffungsbehörde DAPA (Defense Acquisition Program Administration) und die Entwicklungsagentur ADD (Agency for Defense Development).
Mitte August veröffentlichte die DAPA eine Ausschreibung, in der Unternehmen der Industrie aufgefordert werden, eine Studie zum Betriebskonzept, zur Konfiguration und zum technologischen Fahrplan des künftigen Kampfjets zu erarbeiten.
Noch keine offizielle Entscheidung
Bereits Anfang Juli hatte die ADD erste Details zu ihrem eigenen Entwicklungsprojekt öffentlich gemacht. Ausgangspunkt der Forschung war die Frage, wie sich Flugzeugrümpfe in der frühen Konzeptphase schneller entwerfen und wie sich Flugleistung sowie Radarrückstrahlfläche zügiger bewerten lassen.
Für die rund 14-monatige Studienphase stehen umgerechnet etwa 565.000 Euro zur Verfügung. In diesem Rahmen sollen zwei konkurrierende Entwurfskonzepte untersucht sowie Erkenntnisse zu möglichen operativen Fähigkeiten und zur Wirksamkeit im Einsatz gewonnen werden.
Bis zum Ende des Jahrzehnts soll geklärt werden, wann ein offizielles Programm gestartet wird und ob Südkorea überhaupt auf eine komplett eigenständige Entwicklung baut.
Bisher ist selbst die heimische Kampfjetentwicklung KF-21 noch nicht stealthfähig. Das Upgrade der KF-21 zu einem echten Tarnkappenjet wird zwangsläufig vor der Entwicklung eines Jets der nächsten Generation stehen.
Adaptives Triebwerk könnte Probleme machen
Die wohl größte technische Herausforderung für Südkoreas Ambitionen bleibt der Antrieb. Angetrieben werden soll das Flugzeug von zwei adaptiven Turbofan-Triebwerken, die einen Überschallflug oberhalb von Mach 1 auch ohne Nachbrenner ermöglichen sollen.
Derzeit verfügen nur drei Länder über die Fähigkeit, Antriebe für Jets der fünften Generation zu bauen: Russland, China und die USA. Südkorea muss für die KF-21 noch auf ein Triebwerk von General Electric zurückgreifen. Bis Ende der 30er Jahre will das Land allerdings die Kapazitäten dazu massiv erweitern.
Geplant ist das staatlich entwickelte Triebwerk KTF-16000 für die KF-21, dessen erste Flugerprobung für 2041 anvisiert wird. Mit einem Trockenschub von 16.000 Pfund und einem Nachbrennerschub von 24.000 Pfund dürfte es jedoch schwerfallen, damit die von der DAPA geforderte Supercruise-Geschwindigkeit für den Tarnkappenjet der ADD zu realisieren.
Vorbilder aus den USA und China
Um den Entwicklungsprozess für einen einsitzigen Jet zu unterfüttern, sollen die Teilnehmer der Studie auch andere internationale Kampfjet-Projekte analysieren und daraus Betriebskonzepte ableiten.
Als Referenzprojekte nennt die Behörde unter anderem die Boeing F-47 für die Air Force, die chinesischen J-36 und J-50 sowie das gemeinsam von Italien, Japan und Großbritannien vorangetriebene Global Combat Air Program (GCAP). Aus diesen Vergleichen sollen sich Vorgaben für Reichweite, Höchstgeschwindigkeit, Tarnfähigkeit und elektronische Kampfführung des südkoreanischen Jets ergeben.
Vorgesehen ist ein leitwerkloses Design mit internen Waffenschächten, wobei entweder eine Rauten- oder eine Lambda-Flügelform zum Einsatz kommen soll.
Um die Tarnfähigkeit weiter zu verbessern, verlangt die Behörde unter anderem eingebettete, S-förmig verlaufende Lufteinlasskanäle.

