Auf der russischen Insel Sachalin ist ein Militärhubschrauber notgelandet. Die Mil Mi-8 kam nahe dem Flugplatz des Dorfes Sokol direkt auf einer Bundesstraße auf und rutschte anschließend in einen Straßengraben. Videos vom Unglücksort zeigen den havarierten Hubschrauber neben der Fahrbahn. Das russische Verteidigungsministerium soll der örtlichen Wahlkommission die Mi-8 zur Verfügung gestellt haben, um Wahlhelfer für die vorzeitige Stimmabgabe sowie Journalisten staatlicher Medien in abgelegene Gebiete zu fliegen.
Die Maschine war auf dem Rückweg von Kap Terpenija im Rajon Poronajsk. Dort hatten Einwohner im Rahmen der vorzeitigen Stimmabgabe für die Wahl der Staatsduma-Abgeordneten ihre Stimme abgegeben.
Acht Personen an Bord
Wie die Pressestelle der regionalen Wahlkommission mitteilte, befanden sich insgesamt acht Menschen an Bord: drei Besatzungsmitglieder, ein Mitarbeiter der Wahlkommission sowie mehrere Journalisten. Alle Insassen erlitten nur leichte Verletzungen.
Ein Vertreter der Wahlkommission erklärte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS zudem, der Hubschrauber habe zunächst mit einem steilen Sinkflug begonnen und sei dann auf der Bundesstraße aufgesetzt.
Widersprüchliche Angaben zur Ursache
Über die Unfallursache gibt es bislang unterschiedliche Darstellungen. Nach einem ersten, in russischen Medien kursierenden Bericht sollen beide Triebwerke wegen vollständig aufgebrauchten Treibstoffs ausgefallen sein. Der Maschine hätten demnach nur noch rund fünf Kilometer bis zum Zielflugplatz gefehlt.
Um eine Kollision mit Fahrzeugen auf der Straße zu vermeiden, soll die Besatzung den Hubschrauber gezielt von der Fahrbahn weggelenkt haben. Andere Berichte nennen dagegen einen Defekt am Hydrauliksystem als vorläufige Ursache, in dessen Folge ein Rotorblatt beschädigt worden sei.
Bekannte Triebwerksprobleme bei den Maschinen
Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 kam es zu fünf schweren Zwischenfällen mit Mi-8-Hubschraubern, die auf Triebwerksprobleme zurückgingen – darunter Notlandungen auf der Jamal-Halbinsel, im Autonomen Kreis Chanty-Mansijsk sowie zweimal in Kamtschatka, außerdem ein tödlicher Absturz einer Militärmaschine nahe Orjol.
Besonders betroffen ist der ältere Triebwerkstyp Klimow TW2-117, dessen Produktion bereits in den 1990er-Jahren eingestellt wurde und der laut Industrieverband heutige Sicherheitsstandards nicht mehr erfüllt.
Eine Umrüstung auf das modernere WK-2500 gilt für viele Betreiber als finanziell kaum leistbar, zumal auch dessen Produktion laut russischen Regierungsangaben selbst einen Engpass darstellt.
Zusätzlich wird die Lage durch einen Rückgang der Ersatzteilproduktion für ältere Hubschraubermodelle erschwert. Wartezeiten auf Komponenten reichen bis 2027/2028, wodurch manche Betreiber dazu übergehen, einzelne Maschinen auszuschlachten, um andere flugfähig zu halten.

