Das jüngste X-Flugzeug der NASA, die X-59, ist seit ihrem Erstflug am 28. Oktober 2025 regelmäßig in der Luft und arbeitet sich an ihre Leistungsgrenzen heran. Am 21. August hat sie ihren 25. Testflug durchgeführt, wie die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde Anfang September mitteilte. Der 25. Flug dauerte nach Angaben der NASA 72 Minuten, dabei erreichte die X-59 eine Geschwindigkeit von Mach 1.2 und eine Flughöhe von 49.000 Fuß (ca. 14.935 m). Wie bei allen vorherigen Flügen war auch dieses Mal ein Begleitflugzeug zur Beobachtung dabei.
Die NASA will noch dieses Jahr die nächste Testphase der X-59 beginnen: die Untersuchung des Lärms, den der speziell designte Überschalljet mit der langen Nase beim Durchbrechen der Schallmauer verursacht. “Das ist die Phase, auf die wir hingearbeitet haben”, sagte Larry Cliatt, technischer Leiter für die akustische Validierung bei der QueSST-Mission (Quiet SuperSonic Technology) der NASA. “Ein brandneues Flugzeug zu bauen und zu fliegen, ist eine außergewöhnliche Leistung, aber erst in der nächsten Phase beginnt die eigentliche Forschung.”
Wichtige Rolle von numerischer Simulation
Die X-59 wurde von Lockheed Martin und der NASA so entworfen, dass sie beim Durchbrechen der Schallmauer keinen lauten Doppelknall verursacht, sondern nur ein Geräusch, das dem einer zugeschlagenen Autotür ähnelt. Bevor mit der Konstruktion begonnen wurde, haben die Ingenieure intensive Simulationen mit dem Design durchgeführt. Und auch während der Flugtests gleichen die Teams mithilfe eines digitalen Zwillings die echten Daten mit den simulierten Vorhersagen ab.
Für die Akustiktests kommt eine Reihe von boden- und luftbasierten Messgeräten zum Einsatz, um den Fluglärm der X-59 zu vermessen und zu charakterisieren. “Die akustische Validierung wird die Werkzeuge und Methoden, die bei der Konstruktion der X-59 zum Einsatz kamen, auf die Probe stellen – Werkzeuge, die letztendlich Teil der DNA jedes zukünftigen kommerziellen Überschallflugzeugs werden könnten”, so Cliatt.
Keine Überraschungen bei bisherigen Flügen
“Durch unsere laufenden Flugtests mit der X-59 haben wir unschätzbare Erkenntnisse sowohl über die Leistung des Flugzeugs als auch über die besonderen Herausforderungen bei der Konstruktion gewonnen”, sagte Cathy Bahm, Projektleiterin des “Low Boom Flight Demonstrator”-Projekts der NASA. “Jeder Testpunkt hat unsere Modelle und Vorhersagen bestätigt und unser Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Flugzeugs gestärkt. Jeder Flug bringt uns dem Übergang zur nächsten Phase näher, in der wir die Fähigkeiten der X-59 für leisen Überschallflug demonstrieren werden.”
Bislang stimmen die tatsächlichen Flugeigenschaften der X-59 nach Angaben der NASA weitgehend mit den Simulationen überein. Als Beispiele nennt die NASA die Steuerbarkeit, die Stabilitätsreserve sowie die Flugbelastungen. Unerwartete Phänomene, etwa Instabilität oder extreme Vibration, seien bisher nicht aufgetreten. Nils Larson, einer der NASA-Testpiloten, hat die Flüge mit der X-59 als “aufregend, aber ereignislos” beschrieben.
Recht früh im Testprogramm hat die X-59 Geschwindigkeiten von bis zu Mach 1.4 und Höhen von 55.000 Fuß (ca. 16.764 m) erreicht. Deshalb lag der Fokus bei den vergangenen Flügen vor allem auf der Leistung im gesamten Betriebsbereich, auch bei sehr langsamen Geschwindigkeiten und niedrigen Flughöhen. Zwischen den Flügen wurden die Flugtestdaten analysiert und kleinere Anpassungen am Flugzeug vorgenommen, beispielsweise an der Steuersoftware.

