Der Flughafen Bremen fliegt durch wirtschaftliche Turbulenzen. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrates wurde bekannt, dass im schlimmsten Fall sogar die Insolvenz drohen könnte. Wie groß ist die Not an der Weser tatsächlich?
Die kleinen unter den internationalen deutschen Verkehrsflughäfen haben es generell schwer: Kommerzielle Verbindungen fliegen nun einmal nicht wie gebratene Tauben in den Mund. Für ein auskömmliches Leben müssen die Kosten klein gehalten und die Kundenakquise großgeschrieben werden. Wenden sich dann auch noch die langjährigen unter den wenigen Partnern ab, schrillen die Alarmglocken.
So geschehen einmal mehr am Flughafen Bremen, der bereits 2019 die Insolvenz der damals stark in der Hansestadt vertretenen Germania verkraften musste. Nun hat die Lufthansa zum 1. Juli die mehrmals täglich angebotene Verbindung nach Frankfurt eingestellt – offiziell aufgrund „deutlich gestiegener Kerosinkosten, Kosten der diesjährigen Arbeitskampfmaßnahmen und weiterhin hoher Standortkosten“. Europas größter Airlinekonzern hält allerdings weiterhin die Flüge von der Weser nach München im Angebot.
Wie wichtig sind die Frankfurt-Flüge für Bremen?
Dennoch trifft es Freizeit- wie Geschäftsreisende. Wie hart, muss sich zeigen. Laut Bremer Senat sind im vergangenen Jahr etwa 5000 Fluggäste pro Woche zwischen Bremen und Frankfurt geflogen. Von den 2025 in Bremen gezählten Passagieren (fast zwei Millionen), dürften rechnerisch also 260.000 Fluggäste die Frankfurt-Strecke genutzt haben.
30 bis 40 Prozent der Reisenden waren zu geschäftlichen Zwecken unterwegs, 60 bis 70 Prozent der Passagiere sind in Frankfurt umgestiegen, so die Recherche Radio Bremens. Gäste des Lufthansa-Konzerns können in Zukunft natürlich auch mit Lufthansa via München, mit Swiss über Zürich und Austrian via Wien fliegen oder dank der Wettbewerber KLM Amsterdam-Schiphol beziehungsweise Turkish Airlines Istanbul als Drehkreuz nutzen. Doch unter Umständen ist das gewünschte Ziel dann eben nicht mit nur einem Stopp erreichbar, Frankfurt zählt in Sachen Konnektivität schließlich zu den weltweit führenden Hubs.
Wie groß ist das Defizit des Bremer Flughafens?
Und auch dem Bremer Airport, zu 100 Prozent im Besitz der Stadt, bereitet der Wegfall der Frankfurt-Verbindung Sorgen. Laut Informationen von Radio Bremen steckt der Flughafen in „ernsten wirtschaftlichen Turbulenzen“. Dabei beruft sich der Sender auf Informationen aus dem Aufsichtsrat.
Wirtschaftsprüfer hätten bereits im Juni Alarm geschlagen; sollte der Worst Case eintreten und die Zahl der Passagiere nicht deutlich nach oben gehen, könnte angeblich bereits Mitte 2027 die Insolvenz drohen. Das Defizit, durch den Bremer Raum schwirren Summen im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, kann nämlich nicht so ohne weiteres von der Stadt ausgeglichen werden, das untersagt die EU-Beihilfe-Verordnung.
Hat der Flughafen Bremen eine Zukunft?
Was also tun? Noch stärker als bisher den Rotstift ansetzen? Tafelsilber verkaufen? Neue Airline-Kunden finden? Mit der Lufthansa über die Wiederaufnahme der Frankfurt-Strecke verhandeln? Natürlich. Bremens Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte sieht mit Blick auf die Wirtschaft vor Ort wegen „der infrastrukturellen Systemrelevanz der Lufthansa auch den Bundesverkehrsminister in der Pflicht“.
Hinzu komme, dass „der Flughafen Bremen eine zentrale Rolle im Zusammenhang mit dem Operationsplan Deutschland einnimmt“, so Bovenschulte weiter. Bremen soll militärstrategisch aufgewertet werden, massive Investitionen stehen im Raum. „Dies darf nicht durch privatwirtschaftliche Entscheidungen konterkariert werden.“
Und tatsächlich: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat für den sogenannten Deployment Hub im November 2025 insgesamt 1,35 Milliarden Euro für die Jahre 2026 bis 2031 bereitgestellt. Und davon sollen im Bundesland Bremen sowohl der Überseehafen in Bremerhaven als auch der heimische Flughafen profitieren. Auf dem Neuenlander Feld werden, so der Plan, bis 2031 zusätzliche Logistikflächen und ein Vorfeld für die militärische Abfertigung bereitgestellt.

