Die Il-96-300 mit dem Kennzeichen RA-96018 verließ ihren Heimat-Airport Moskau-Wnukowo mit der Flugnummer RSD780 am 16. September um kurz nach 7 Uhr Ortszeit. Von Moskau aus ging es für den Vierstrahler der Regierungsflotte (Spezial-Flugabteilung “Rossija”) zunächst westlich an Sankt Petersburg vorbei über die Ostsee, den Finnischen Meerbusen entlang und schließlich südlich der finnischen Stadt Turku Richtung Südsüdwest.
Auf Höhe der Rügener Halbinsel Wittow überflog die Il-96 dann erstmals deutsches Staatsgebiet, flog westlich an Stralsund und östlich an Rostock vorbei und befand sich um 9 Uhr deutscher Zeit auf einer Flughöhe von 38.000 Fuß (11.582 Meter) über Hannover.
Die Ankunft der RA-96018 am Zielflughafen Köln/Bonn erfolgte plangemäß um 9:42 Uhr. Um die Mittagszeit sollte der seltene Großraumjet (Baujahr 2007) Deutschland wieder Richtung Moskau verlassen – was auch tatsächlich geschah, denn um 12:39 Uhr hob die Il-96 von der Kölner Startbahn 24 ab, flog eine Linkskehre um 180 Grad und begab sich auf ähnlichem Weg und mit derselben Flugnummer zurück nach Russland, wie sie am Morgen hergeflogen war.
Taxi für Bonner Konsulatsmitarbeiter
Was die russische Iljuschin nach Köln führte, ist offiziell nicht bekannt – seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine Ende Februar 2022 dürfen russisch registrierte Flugzeuge grundsätzlich wegen der geltenden Sanktionen nicht mehr in EU-Staaten fliegen. Der direkte Flugverkehr zwischen Deutschland (und dem Rest der EU) und Russland ist seither komplett eingestellt.
Allerdings gibt es Ausnahmen – etwa für humanitäre Missionen, spezielle Termine auf Regierungsebene oder anderweitig dringend notwendige Flüge.
Eine solche Ausnahmeregelung greift auch für den Il-96-Flug RSD780, und der Anlass dürfte klar sein: Aller Wahrscheinlichkeit nach holt die VIP-Iljuschin das Personal des russischen Konsulats in Bonn ab, nachdem die Bundesregierung Anfang September dessen Schließung angekündigt hatte.
Die Regierung begründete diesen Schritt mit den Drohnenvorfällen am Flughafen Leipzig im Sommer, für die sie direkt Russland als Drahtzieher verantwortlich macht. Konkrete Beweise für diese These legten deutsche Behörden bislang nicht vor, weswegen (nicht nur) die russische Regierung heftig protestierte.
Die offizielle Schließung des Konsulats erfolgte am Dienstag, dem 15. September, mit dem Einholen der russischen Flagge im Rahmen einer Zeremonie, bei der auch der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, teilnahm.
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Die Il-96-300 ist das Flaggschiff der russischen Regierungsflotte. Auch Präsident Putin reist an Bord eines speziell ausgerüsteten Exemplars durch die Welt. Dafür stehen ihm vier Il-96-300PU zur Verfügung.
Il-96-300 als Diplomatenshuttle
Die Iljuschin Il-96 der russischen Regierungsflotte wurden indes seit 2022 bereits mehrfach als “Diplomatenshuttle” zwischen der EU und Moskau genutzt, um in EU-Ländern tätige russische Beamte, Botschafts- und Konsulatsmitarbeiter, die nach Beginn des Ukraine-Krieges zu unerwünschten Personen erklärt worden waren, nach Russland auszufliegen.
Russlands Regierungsflieger besitzen insgesamt elf für VIP‑Transporte ausgelegte Il‑96‑300. Vier davon besitzen darüber hinaus eine spezielle Kommunikationsausrüstung und stehen unter anderem dem russischen Präsidenten zur Verfügung. Die konkrete Bezeichnung dieser Spezialversion lautet Il-96-300PU (“Punkt Uprawlenija”, russisch für “Kommandoposten”).
Bei der RA-96018, die am 16. September Köln besuchte, handelt es sich allerdings um eine “gewöhnliche” Il-96-300.

