Der Staat zieht sich endgültig aus Condor zurück. Der Finanzinvestor Attestor hat seine Option auf die verbliebenen 49 Prozent ausgeübt und wird Ende August 2027 alleiniger Eigentümer des Ferienfliegers. Langfristig dürfte das aber nur eine Zwischenstation sein.
Fünf Jahre nach dem Einstieg bei Condor macht Attestor den nächsten Schritt: Der Investor übernimmt auch die Anteile, die bislang die SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag von Bund und Land Hessen hielt. Das gab die Airline am Freitag in Frankfurt bekannt. Vollzogen werden soll die Transaktion zum 31. August 2027. Möglich wurde der Schritt, weil Condor die staatlichen Hilfen bereits im Frühjahr 2026 vorzeitig zurückgezahlt hatte.
Hintergrund der Condor-Übernahme
Die Option, die Attestor nun zieht, ist keine Neuverhandlung, sondern war bereits Teil der Vereinbarung von 2021. Damals übernahm der Investor 51 Prozent an Condor. Die übrigen 49 Prozent blieben beim Staat – als Sicherheit für die gewährten Kredite. Mit dem Ende der Staatshilfen entfiel dieser Sicherungszweck, der Weg für eine Neuordnung der Gesellschafterstruktur war damit frei.
Die Rettung von Condor zählte zu den bewegtesten Kapiteln der deutschen Luftfahrt der vergangenen Jahre. Erst riss die Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook 2019 die Airline in die Krise, kurz darauf folgte der Einbruch durch die Corona-Pandemie. Bund und Hessen stützten den Ferienflieger mit Hilfen in Millionenhöhe. Eine noch offene Tranche eines staatlich abgesicherten KfW-Darlehens über 175 Millionen Euro löste Condor Anfang 2026 vorzeitig ab.
Attestor als Wegbereiter der Condor-Flottenerneuerung
Unter Attestor erhielt Condor frisches Eigenkapital und Kreditlinien. Diese Finanzierung bildete die Grundlage für die umfassende Modernisierung der Flotte, die die Airline in den vergangenen Jahren vorangetrieben hat. Die vollständige Kontrolle gibt dem Investor nun mehr Spielraum bei strategischen Entscheidungen – auch mit Blick auf einen möglichen späteren Verkauf.
Nach der Condor-Übernahme: Suche nach einem strategischen Partner
Dass Attestor dauerhaft Eigentümer bleibt, gilt als unwahrscheinlich. Finanzinvestoren steigen in der Regel mit dem Ziel ein, ihre Beteiligung nach einigen Jahren gewinnbringend weiterzureichen. Condor-Chef Peter Gerber machte gegenüber dem „Stern“ keinen Hehl daraus, dass die Airline früher oder später Anschluss an eine größere Gruppe suchen dürfte.
Lufthansa kommt dafür aus kartellrechtlichen Gründen nicht infrage. Gerber brachte stattdessen die großen Golf-Carrier ins Spiel: Emirates, Etihad und Qatar Airways. Diese könnten nach seiner Einschätzung daran interessiert sein, sich breiter aufzustellen und weniger vom eigenen Heimatmarkt abhängig zu sein – gerade nach den Erfahrungen mit dem Irankrieg. Als weiteren denkbaren Interessenten nannte er Turkish Airlines, die ihre Präsenz in Europa ausbauen will.
Condor unter Kostendruck
Parallel zur Neuordnung der Eigentümerstruktur steht Condor vor einem harten Sparkurs. Aktuell laufen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen über ein Kostenprogramm. Nach Darstellung der Gewerkschaften will die Airline ihre Ausgaben sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr um jeweils 100 Millionen Euro drücken. Für potenzielle Käufer dürfte eine schlankere Kostenbasis die Attraktivität von Condor zusätzlich erhöhen – für die Belegschaft bedeutet sie vorerst vor allem Unsicherheit.

