Die auf Flugzeugmodifikationen spezialisierte Firma L3Harris hat der NASA ihr neues und größte Forschungsflugzeug übergeben. Die Boeing 777-200ER wurde am 22. April von Waco, Texas, zum Langley Research Center der NASA in Hampton, Virginia überführt. Das Flugzeug soll seinen ersten Forschungseinsatz im Januar 2027 bestreiten.
Der Umbau des ehemaligen Passagierjets zu einem fliegenden Forschungslabor dauerte 15 Monate. In die Kabine wurden spezielle Forschungsstationen eingebaut, Fenster wurden vergrößert und Anschlüsse für Instrumente am Bauch des Flugzeugs sowie entsprechende Verstärkungen installiert. Rund 35.000 Löcher mussten in den Bauch der 777 gebohrt werden. Für die künftigen Nutzlasten und Sensoren, beispielsweise Lidar und Infrarot-Spektrometer, wurde die Verkabelung erneuert.
L3Harris
Große und kleine Löcher wurden in den Bauch der Boeing 777-200ER geschnitten, um später Instrumente und Sensoren zu beherbergen.
Ersatz für die altgediente DC-8
Die NASA hatte die 23 Jahre alte Boeing 777-200ER, die einst von Japan Airlines betrieben wurde, schon 2022 erworben, um ihre Douglas DC-8-72 zu ersetzen. Der Vierstrahler wurde nach 37 Jahren im wissenschaftlichen Dienst 2024 ausgemustert.
“Die DC-8 der NASA war fast 40 Jahre lang ein unglaubliches Arbeitstier für die Geowissenschaften”, sagte Kirsten Boogaard, Leiterin des NASA-777-Programms am NASA-Langley-Center und ehemalige stellvertretende Programmleiterin der DC-8 der NASA. “Als Teil dieses Teams konnte ich die Bedeutung hautnah miterleben. Ich bin gespannt darauf, was die 777 bringen wird. Sie gibt uns die Möglichkeit, mehr Partner, mehr Bildungsangebote und mehr Instrumente zusammenzubringen. Das wird einen echten Unterschied bei den Daten machen, die wir in Zukunft sammeln.”
Erste Mission zur Beobachtung von Winterwetter
Die Boeing 777 kann bis zu 34 Tonnen Nutzlasten tragen und hat Platz für 50 bis 100 Forscher an Bord. Flüge bis zu 18 Stunden sind möglich, “Die 777 wird das größte fliegende Forschungslabor unserer Flotte sein und Daten sammeln, um das Leben auf unserem Heimatplaneten zu verbessern und unser Wissen über das Erdsystem als Ganzes zu erweitern”, so Derek Rutovic, Programmleiter des Airborne Science Program im NASA-Hauptquartier in Washington.
Die erste Mission der 777 ist für Januar 2027 geplant und nennt sich “North American Upstream Feature-Resolving and Tropopause Uncertainty Reconnaissance Experiment” (NURTURE). Dabei sollen Winterwetterereignisse mit erheblichen Auswirkungen untersucht werden, wie zum Beispiel starke Kälteeinbrüche, Sturm-, Schnee- und Eisstürme sowie gefährliche Seegangsbedingungen. Das Forschungsflugzeug wird dafür die Atmosphäre über Nordamerika, Europa, Grönland, der Arktis und dem Nordatlantik beobachten. Analyse und Design für die Installation der NURTURE-Nutzlasten und die Anschlussmodifikationen seien bereits abgeschlossen, so die NASA

