Ein Prototyp der Iljuschin Il-114-300 weilte kürzlich für Flugtests in der Arktis. Das neue Turboprop-Regionalflugzeug habe im Mai “eine Reihe von Flügen von Flugplätzen auf den arktischen Inselgruppen Nowaja Semlja und Franz-Josef-Land” absolviert, teilte der russische Staatskonzern Rostec dazu mit.
Die beiden Inselgebiete gehören zur nordrussischen Oblast Archangelsk, Franz-Josef-Land beherbergt mit Kap Fligely den nördlichsten Landpunkt Eurasiens. Danach kommt nur noch der Nordpol.
Dem näherte sich die Il-114-300 nach Rostec-Angaben bei den Tests auf bis zu 100 Kilometer an. Stationiert war das neue Regionalflugzeug auf dem einzigen Flugplatz von Franz-Josef-Land, der auf dem 80. Breitengrad liegt: dem russischen Militärstützpunkt Nagurskaja.
Nagurskaja besitzt eine präparierte Schneepiste mit 1500 Metern Länge. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei minus 11,8 Grad Celsius – für die Verantwortlichen des Il-114-300-Programms die perfekte Kulisse, die Einsatzfähigkeit ihres Flugzeugs unter extremen Verhältnissen zu testen. Schließlich sei die Il-114-300 “für alle Breitengrade, Wetter- und Klimabedingungen konzipiert”, wie Daniil Brenerman, Chef der Rostec-Tochter Iljuschin, im Nachgang der Testkampagne unterstrich.
Navigationssystem im Härtetest
Brenerman ergänzte, die Il-114-300 habe bei den Tests bewiesen, dass sie auch für die Arktis geeignet sei “und alle älteren und ausländischen Flugzeuge dieser Klasse ersetzen kann.”
Im Fokus der Kampagne stand nach Rostec-Informationen vor allem das vom Tochterunternehmen KRET entwickelte Flug- und Navigationssystem, insbesondere das Trägheitsnavigationssystem BINS-2015, das die autonome Navigation des Flugzeugs ohne Satellitendaten ermöglicht.
UAC (OAK)
Die Musterzulassung der Il-114-300 wird zeitnah erwartet. Bis Jahresende sollen die ersten Flugzeuge im Dienst sein.
“Wichtiger Schritt” für Il-114-300
Russlands Stellvertretender Industrie- und Handelsminister Gennadi Abramenkow kommentierte seinerseits: “Der erfolgreiche Abschluss der Arktistests der Il-114-300 ist ein wichtiger Schritt für die Entwicklung der heimischen Flugzeugproduktion und die Sicherstellung der Erreichbarkeit der entlegensten Regionen Russlands.”
Das neue Turboprop-Muster sei nachweislich “in der Lage, unter extremen klimatischen Bedingungen zu operieren, was für unser Land mit seinem riesigen Territorium und seinen vielfältigen Klimazonen besonders wichtig ist.”

UAC (OAK)
Die Il-114-300 soll den russischen Regionalverkehr modernisieren helfen. Das Tiefdecker-Profil scheint allerdings für den Einsatz auf unbefestigten Pisten nicht optimal.
Einsatz im Regionalverkehr
Iljuschin und Rostec arbeiten derzeit an einer Erweiterung der Betriebsmodi für die Il-114-300, während die grundlegenden Daten für die Musterzulassung bereits bei der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija zur Auswertung liegen.
Nach den Arktistests wollen die Verantwortlichen den Tiefdecker auch anderen Klimaextremen zuführen: Für den Sommer seien “Hochtemperaturtests” geplant, außerdem steht im Frühherbst eine erweiterte Testkampagne auf unbefestigten Pisten an.
Erst wenn die Il-114-300 dabei durch die Bank bewiesen hat, dass sie allen Herausforderungen gewachsen ist, kann sie auch vollumfänglich im russischen Regionalverkehr zum Zuge kommen.

