Auf chinesischen Sozialnetzwerken sind die bisher klarsten Aufnahmen von Chinas neuem Bodeneffektfahrzeug aufgetaucht, das seit seinem ersten Auftauchen im Juli 2025 als “Bohai-Seemonster” bekannt ist.
Der Militärluftfahrtanalyst Andreas Rupprecht teilte die Bilder auf X. Sie zeigen das Fahrzeug in einem unbekannten Seehafen, ruhend im Wasser und beim Krantransport.
Verwendung bisher unbekannt
Unter der Steuerbordtragfläche sind zwei Waffenaufhängungen zu sehen. Das deutet auf eine Kampfrolle hin, etwa für Anti-Schiff-Raketen oder Torpedos. Außerdem sind die vier oben montierten Turboprop-Triebwerke mit dreiblättrigen Propellern klar erkennbar. Das beim Krantransport sichtbare ausgefahrene Fahrwerk legt nahe, dass das “Bohai-Seemonster” auch von Land operieren kann.
Einige Beobachter vermuten, dass es sich bei dem Fahrzeug auf den Bildern aufgrund der Größe lediglich um einen Demonstrator handelt. Das eigentliche Serienfahrzeug könnte deutlich größer werden.
Insellogistik und Truppentransporte
Bezeichnung, Hersteller und offizieller Verwendungszweck sind weiterhin unbekannt. Außerdem ist unsicher, ob und in welcher Stückzahl die chinesische Marine das “Bohai-Seemonster” beschaffen wird.
Ekranoplans, auch Bodeneffektfahrzeuge sind eine Hybridform zwischen Flugzeug und Schiff. Sie bewegen sich knapp über der Wasseroberfläche und nutzen dabei einen aerodynamischen Effekt, der in Oberflächennähe zusätzlichen Auftrieb erzeugt.
Diese Flughöhe macht sie für Radar schwer erfassbar. Deshalb würde sich die chinesische Neuentwicklung besonders für Versorgungsmissionen und militärische Operationen auf Inselgruppen im Südchinesischen Meer eignen. Außerdem ermöglichen die Fahrzeuge schnellen Truppentransport und Entladung auf Inseln.
Die Sowjetunion entwickelte in den 70er Jahren das Lun-Ekranoplan zur Küstenverteidigung und zur Zerstörung feindlicher Schiffe. Das Fahrzeug diente also sowohl zu Angriff als auch zur Verteidigung.
China ist mit der Entwicklung nicht allein
Auch außerhalb von China wird an Ekranoplans gearbeitet und das nicht nur im militärischen Kontext. Das US-amerikanische Start-up REGENT Craft aus Rhode Island verfolgt mit seinem Seaglider einen zivilen, emissionsfreien Ansatz. Die erste Ausführung namens Viceroy bietet Platz für zwölf Passagiere oder 1.600 Kilogramm Fracht, wird von bis zu zwölf Elektromotoren angetrieben und soll bei 300 km/h eine Reichweite von 300 Kilometern erreichen.
Japan Airlines hat bereits eine Partnerschaft geschlossen, um das Fahrzeug für Küstenverbindungen zu nutzen. Rechtlich gilt der Seaglider als maritimes Gefährt und benötigt daher keine Flugzeugzulassung.
Die Defense Advanced Research Projects Agency des US-Verteidigungsministeriums hat im vergangenen Jahr den Plan verworfen, einen Ekranoplan-Demonstrator zu bauen. Ein Prototyp des sogenannten “Liberty Lifter” wäre nicht kosteneffektiv gewesen.
In Russland entwickelt das Moskauer Konstruktionsbüro EO Orion derweil mit dem Orion-25 ebenso eine zivile Variante. Mit zwei Turboprop-Triebwerken und Platz für rund 30 Passagiere soll es bis zu 500 km/h schnell und bis zu 3.600 Kilometer weit fliegen können. Geplante Einsatzgebiete reichen vom Grenzschutz über Katastrophenhilfe bis zum Transport in schwer zugängliche Regionen. Der Vorgänger Orion-20 stürzte allerdings 2015 bei einem Testlauf ab.

