Schon beim Mega-Event 2023 war sie einer der Flugzeugstars beim AirVenture in Oshkosh – die Super Guppy Turbine der NASA. Das legendäre Pilotentreffen in Wisconsin war damals die perfekte Bühne für das fliegende Einzelstück, denn außer der als N941NA registrierten Super Guppy existiert weltweit kein zweites aktives Exemplar. Klar, dass die Organisatoren des AirVenture den klobigen Transporter auch 2026 wieder eingeladen haben.
Leider jedoch kann die Super Guppy dieses Jahr nicht nach Oshkosh kommen. Denn die silberne Großraum-Viermot wurde an ihrem Heimatflughafen El Paso von einem heftigen Unwetter heimgesucht – und dabei mindestens so stark beschädigt, dass sie nicht rechtzeitig zum diesjährigen AirVenture wieder fit wird, das vom 20. bis zum 26. Juli über die Bühne geht.
“Wir müssen euch leider eine traurige Nachricht überbringen”, schrieben die Veranstalter am 7. Juli auf X. “Laut NASA wurde die Super Guppy bei den jüngsten Unwettern beschädigt und wird daher nicht an #OSH26 teilnehmen können.” Allerdings weckten sie zugleich Hoffnung auf einen Besuch in einem der kommenden Jahre: “Ein Team arbeitet mit Hochdruck daran, die Schäden zu beheben, und wir hoffen, [die Super Guppy] bald wieder in Oshkosh begrüßen zu dürfen!”
NASA
Die Super Guppy ist ideal für den Transport sperriger, nicht allzu schwerer Fracht bis knapp 25 Tonnen. Zum Be- und Entladen wird die Bugsektion des Flugzeugs mitsamt Cockpit seitlich weggeklappt.
Super Guppy parkte in El Paso (Texas)
Über Art und Ausmaß der Schäden an dem einzigartigen Flugzeug ist bislang nichts bekannt. Die NASA hat sich dazu noch nicht öffentlich geäußert. Klar ist nur, dass die N941NA ihren bislang letzten Flug am 27. Mai absolvierte: Von der Travis Air Force Base in Fairfield (Kalifornien) war sie an diesem Tag in drei Stunden und 38 Minuten nach El Paso in Texas zurückgekehrt. Dort wüteten laut Wetterbericht in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder starke Gewitter und teils heftige Sandstürme (Habubs).
Ob die Super Guppy in El Paso auf ihren nächsten Einsatz wartend parkte oder vor Ort einer planmäßigen (oder außerplanmäßigen) Wartung unterzogen wurde und deshalb seit Ende Mai nicht mehr abhob, ist unbekannt. Im laufenden Jahr war die Super Guppy allerdings generell nicht besonders häufig im Einsatz. Lediglich für April sind insgesamt sechs Flüge vermerkt, für März und Mai jeweils einer. Der letzte Super Guppy-Flug aus dem vergangenen Jahr datiert vom 17. November – mit Start und Landung in El Paso dürfte es sich um einen Testflug gehandelt haben.

Philipp Prinzing
Bereits 2023 begeisterte die weltweit letzte aktive Super Guppy auf dem AirVenture in Oshkosh die Massen.
Hilfe bei der Rückkehr zum Mond
In den Jahren davor war die letzte Super Guppy deutlich häufiger am Himmel zu sehen gewesen. Im Rahmen des Artemis-Programms der NASA flog sie vor allem Teile des für die Mondmission entwickelten Raumschiffs Orion kreuz und quer durch die USA. So brachte die N941NA beispielsweise Ende 2021 die Hitzeschildhaut für die Raumfähre zum Moffett Federal Airfield in Kalifornien. “Die einzigartige Form des Flugzeugs ermöglicht es, sperrige oder schwere Ausrüstung zu transportieren, die sonst nicht in ein herkömmliches Flugzeug passen würde”, äußerte sich die NASA seinerzeit voll des Lobes über ihr größtes Flugzeug.

Airbus / Archiv FLUG REVUE
Gefertigt wurde die N941NA 1983 bei UTA in Le Bourget – als Lizenzbau für Airbus.
Flugzeug war einst bei Airbus
Selbiges erblickte 1983 das Licht der Welt – als Lizenzbau im Auftrag von Airbus bei UTA Industries in Le Bourget. Airbus setzte bis Ende der 90er Jahre insgesamt vier Super Guppy Turbine (davon zwei in Europa gebaute) für den Transport von Flugzeugteilen zwischen den Werken in Europa ein. Die heutige N941NA trug während dieser Zeit das Kennzeichen F-GEAI. 1997 kam das Flugzeug zur NASA – die einst in den 60er Jahren ihrerseits die Geburtshelferin des voluminösen Frachters war, benötigte sie doch für den Transport von Saturn V-Raketenteilen ein entsprechend großes Flugzeug.
Basis der von Aero Spacelines entwickelten Super Guppy ist die Boeing 377 Stratocruiser. Mit über 1000 Kubikmetern Ladevolumen und einer Frachtraumhöhe von 7,77 Meter zählt das Muster bis heute zu den größten Frachtflugzeugen aller Zeiten.
Bleibt zu hoffen, dass das letzte überlebende Exemplar dieser seltenen Spezies bald wieder abheben kann.

