Wie RIA Novosti zuerst berichtete, arbeitet Belarus nun offiziell an der Entwicklung des Kampfflugzeugs Su-75 “Checkmate” mit. Das bestätigte der Föderale Dienst für militärtechnische Zusammenarbeit (FSWTS) Russlands gegenüber der russischen Staatsagentur am Rande des Ersten Internationalen Sicherheitsforums in Moskau. Das Forum wurde unter der Schirmherrschaft des russischen Sicherheitsrats vom 26. bis 29. Mai abgehalten.
“Derzeit laufen mit den belarussischen Partnern Arbeiten an einer Reihe von Projekten zur Entwicklung und Herstellung verschiedener Luftfahrzeuge, darunter auch das Flugzeug Su-75”, hieß es aus der Behörde. Unter anderem ist Belarus an der Entwicklung des Regionalflugzeugs LMS-192 Oswei beteiligt.
Kein Ersatz für die Su-57
Der FSWTS nutzte die Gelegenheit zugleich, einem verbreiteten Missverständnis entgegenzutreten. Die Su-57 und die Su-75 gehören unterschiedlichen Flugzeugklassen an und sind für verschiedene Aufgaben konzipiert. Es sei daher nicht korrekt, die Su-75 als Ersatz oder Alternative zur Su-57E zu betrachten, betonte die Behörde ausdrücklich.
Beide Jets sind Flugzeuge der fünften Generation. Die Su-75 ist jedoch ein Leichtkampfflugzeug, während die Su-57 als Mehrzweckjagdflugzeug für die Anforderungen der russischen Luftwaffe konzipiert wurde.
Die Su-75 soll perspektivisch günstiger sein und ist vornehmlich für den Export in die arabische Welt, Südasien und auch Südamerika gedacht. Für Suchoi scheint die neue Su-75 also eher eine Ergänzung im Portfolio zu sein als ein “Ersatz” für die Su-57.
Russische Luftwaffe will den Jet nicht
Die russische Luftwaffe selbst hat nie ernsthaftes Interesse an dem einstrahligen Leichtkämpfer gezeigt, was das Programm von Beginn an in eine schwierige Lage gebracht hat. Mit dem Einstieg von Belarus in das Projekt, könnte also frisches Geld in die Entwicklung fließen.
Lange hatte man vom “Checkmate”-Programm nichts gehört. Der ursprünglich für 2023 geplante Erstflug des Prototyps wurde mehrfach verschoben: Zunächst auf 2024, dann auf 2025 und schließlich auf Anfang 2026. Geflogen ist die Maschine bis heute nicht.
Rostec-Tochter Suchoi arbeitet dem Vernehmen nach weiterhin an einer bemannten und einer unbemannten Variante des Flugzeugs. Subventionen fließen jedoch kaum, sodass der Hersteller das aufwendige Projekt weitgehend aus eigener Kraft stemmen muss.
Gleichzeitig muss Suchoi die laufenden Kampfjetprogramme für die heimische Luftwaffe bedienen, darunter eben auch den Stealth-Jäger Su-57, der endlich in Serie mit seinen neuen AL-51F1-Triebwerken ausgestattet werden soll.
Exportorientiertes Projekt sucht mehr Partner
Das einsitzige Leichtkampfflugzeug wurde erstmals auf der Luftfahrtmesse MAKS-2021 vorgestellt, ein internationaler Auftritt folgte noch im selben Jahr auf der Dubai Airshow. Rosoboronexport-Chef Alexander Michejew hatte damals erklärt, die “Checkmate” könne als Plattform für eine gemeinsame Weiterentwicklung mit ausländischen Partnern dienen. Mit Belarus hat sich ein erster Partner schon mal gefunden.
Die belarussische Luftwaffe hat selbst noch keinen Jet fünfter Generation und nutzt stattdessen modernisierte Suchoi Su-30SM2. Die beiden Länder gewähren einander im Rahmen des Unionsstaates umfassende Sicherheitsgarantien und teilen beispielsweise die Luftverteidigungsaufgabe.
In Sachen Stealth-Kampfflugzeuge stellt allerdings nur die russische Luftwaffe die Kapazitäten. Dass Belarus an dieser Stelle in Zukunft aufrüstet, ist für den Binnenstaat also strategisch sinnvoll. Suchoi dürfte sich darüber auch freuen, denn damit bekommt der Hersteller einen ersten potentiellen Kunden für die “Checkmate”.

