Etwa eine Stunde dauerte der erste Ausritt des Tranche 4-Erstlings am späten Dienstagvormittag in Manching – gesteuert von Testpilot Stefan Auer, ein tiefer Überflug und Bremsschirmlandung inklusive. Der brandneue Eurofighter mit der Kennung 34+02 setzte damit einen neuen Meilenstein für das europäische Fighter-Programm. Mit der Tranche 4 läutet das Hersteller-Konsortium den nächsten Karriereschritt für den Eurofighter ein, der das Muster fit halten soll für die anstehenden Aufgaben der kommenden Jahre und Jahrzehnte.
Die 34+02 wurde – wie alle deutschen Eurofighter – vor Ort bei Airbus in Manching produziert. Die Kennzahl “34” verrät sie als Tranche 4-Vertreterin – die Kennungen der bisher gebauten deutschen Eurofighter beginnen dagegen mit den Zahlen 30 oder 31.
Seine Premiere feierte das neue Eurofighter-Topmodell bereits am 20. Mai beim Airbus Defence Summit in Manching. Das dort gezeigte Exemplar (Baunummer GS0115) trug jedoch die taktische Kennung 34+03. Airbus hat, nach eigenem Bekunden, bereits mehrere Eurofighter des neuen Ausrüstungsstandards fertiggestellt, von dem Deutschland im Herbst 2020 im Rahmen des “Quadriga”-Programms 38 Flugzeuge bestellt hat (Gesamtpreis 5,5 Milliarden Euro). Sie sollen die technisch veralteten Eurofighter der Tranche 1 ersetzen.
Airbus Defence and Space
Der erste Eurofighter der Tranche 4 rollt nach seinem Jungfernflug am 14. Juli in Manching zurück zu seiner Parkposition.
Quadriga-Eurofighter für die Luftwaffe
Die ersten Quadriga-Eurofighter hätten nach ursprünglicher Planung bereits 2025 an die Luftwaffe gehen sollen – die Komplettierung des Auftrags war für Ende 2030 vorgesehen. Ob dieser Termin angesichts der leichten Verspätung des Programms gehalten werden kann, bleibt vorerst offen, ist aber geplant. Nach der obligatorischen Werkserprobung der neuen Version und ihrer Systeme dürfte die Übergabe der ersten Jets an die Bundeswehr zügig vonstattengehen. Die erste Quadriga-Maschine steht noch für dieses Jahr auf der Agenda. Bestellt sind 30 Einsitzer und acht Doppelsitzer.

Airbus Defence and Space
Airbus fertigt am Standort Manching seit jeher alle Eurofighter für die deutsche Luftwaffe.
Das Radar als Herzstück
Die neue Tranche 4-Variante unterscheidet sich von bisherigen Eurofighter-Generationen vor allem durch ihr neues, deutlich leistungsstärkeres AESA-Radar. Das vom deutschen Unternehmen Hensoldt in Kooperation mit Indra aus Spanien entwickelte Eurofighter Common Radar System Mark 1 (ECRS Mk1) besteht aus einem neuen Mehrkanal-Empfänger sowie neuen Breitband-Sende- und Empfangsmodulen. Damit lassen sich mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen – zum Beispiel die Verfolgung einzelner Ziele, während der gesamte Luftraum vor dem Flugzeug großflächig abgesucht wird. Bisher ging dies nur nacheinander. Laut Hensoldt bietet das ECRS Mk1 eine um 50 Prozent größere Winkelabdeckung als herkömmliche AESA-Radare.
Darüber hinaus zeichnet sich die Tranche 4 durch neue, zukunftssichere Hard- und Software und eine noch umfassendere Mehrzweck-Fähigkeit zur Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen aus.

Eurofighter
Mit einer Folgebestellung über 20 Exemplare der Version Tranche 5 läutete Deutschland bereits das nächste Kapitel der Eurofighter-Entwicklung ein.
Tranche 5 in der Pipeline
Die Eurofighter-Fertigung am Standort Manching ist derweil auch über den Tranche 4-Auftrag hinaus gesichert: Die Bundesregierung bestellte im Herbst 2025 weitere 20 Eurofighter der nochmals verbesserten Tranche 5 im Gesamtwert von 3,75 Milliarden Euro. Die Auslieferung dieser zusätzlichen Flugzeuge steht für 2ß31 bis 2034 im Programm.

