Der russische Rüstungskonzern Rostec lässt über seine Tochtergesellschaft ODK (Vereinigte Triebwerksbau-Korporation) ein neues Flüssigtreibstoff-Raketentriebwerk entwickeln – NK-3 heißt der Antrieb.
Er soll die Antriebsbasis für die geplante Trägerrakete “Woronesh” bilden. Woronesh ist eine Superleicht-Rakete, auch Microlauncher genannt. Ein vollmaßstäblicher Nachbau des Triebwerks wurde vom 26. bis 28. August auf dem internationalen Forum “Technoprom” in Nowosibirsk öffentlich präsentiert.
Das NK-3 soll einen Schub von 4,5 Tonnen liefern. Nach Angaben von Rostec ist es das erste Triebwerk dieser Leistungsklasse, das im postsowjetischen Russland neu entwickelt wird.
Die erste Raketenstufe soll mit zwölf dieser Triebwerke ausgestattet werden, die zweite Stufe mit einem einzelnen Triebwerk, das zweimal zündbar sein soll. Ein Teil der Triebwerke soll zusätzlich mit einer mehrachsigen Schubvektorsteuerung ausgerüstet werden, mit der sich die Flugbahn der Rakete während des Fluges korrigieren lässt.
Das Triebwerk für die zweite Stufe soll 4,1 Meter lang sein und einen Durchmesser von 2,05 Metern haben. In dieser Konfiguration war das Aggregat in Nowosibirsk vorgestellt worden.
Entwickelt wird das NK-3 konkret beim Triebwerksbauer UEC-Kuznetsov, einer Tochtergesellschaft der Vereinigten Triebwerksbaugesellschaft ODK. Nach Angaben des Unternehmens ist die Vorentwurfsphase abgeschlossen, die Konstruktionsdokumentation befindet sich in Arbeit.
Komplexe Gehäuseteile von Automatisierungsaggregaten und Gasgenerator sollen im selektiven Laserschmelzverfahren hergestellt werden, um die Dauer der experimentellen Erprobung zu verkürzen.
Konstruktiv greift das Projekt auf technisches Vorwissen aus der Entwicklung des Triebwerks RD-107A zurück, das in der Sojus-Trägerraketenfamilie eingesetzt wird. Als Vorbild dient dabei laut UEC-Kuznetsov insbesondere die Steuereinheit der Brennkammer. Alle übrigen Baugruppen werden komplett neu konstruiert.
Kommerzielle Launches im Fokus
Die ultraleichte Woronesh ist für den Transport kommerzieller Satelliten in die Erdumlaufbahn konzipiert. Die Nutzlast der Rakete soll bei rund 250 Kilogramm liegen.
Mit dem Projekt will Russland in den internationalen Markt für kommerzielle Kleinsatellitenstarts einsteigen, in dem bislang vor allem westliche und chinesische Anbieter aktiv sind.
Ein konkreter Zeitplan für Erstzündungstests oder einen möglichen Erstflug der Woronesh wurde von Rostec bislang nicht genannt.

