Airbus hebt seine Gewinnprognose für 2029 deutlich an. Grund ist die hohe Nachfrage nach Passagierjets.
Airbus rechnet mit deutlich steigenden Gewinnen in den kommenden Jahren. Bis 2029 soll das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) auf 12 bis 13 Milliarden Euro klettern, wie Konzernchef Guillaume Faury am Dienstagabend am Rande der Farnborough Airshow in London mitteilte. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem das Geschäft mit Passagier- und Frachtflugzeugen, in dem der Flugzeugbauer nach eigenen Angaben auf prall gefüllte Auftragsbücher blicken kann.
Für das laufende Jahr peilt Faury ein bereinigtes operatives Ergebnis von rund 7,5 Milliarden Euro an. Die Börse reagierte auf die Ankündigungen positiv: Die Airbus-Aktie legte im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate um mehr als zwei Prozent zu.
Aktienrückkauf und A350-Doppelstretch als Teil der Airbus-Strategie
Neben der optimistischen Gewinnprognose kündigte Airbus an, binnen drei Jahren fünf Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien zu investieren. Zudem prüft das Management eine noch längere Version des Großraumjets A350 über die bislang größte Variante A350-1000 hinaus. Finanzvorstand Thomas Toepfer betonte jedoch, dass eine Entscheidung über diesen sogenannten Stretch noch nicht gefallen sei.
Hintergrund der Überlegungen ist ein Trend bei den Airlines hin zu den größten Modellversionen: Bei der A320neo-Familie entfallen laut Sparten-Chef Lars Wagner inzwischen 75 Prozent des Auftragsbestands auf die Langversion A321neo.
Zulieferprobleme bremsen A320neo-Produktion
Trotz voller Auftragsbücher kämpft Airbus weiterhin mit Engpässen bei Zulieferern, insbesondere bei Triebwerksherstellern. Diese Probleme haben Faury bereits mehrfach dazu gezwungen, die Produktionsziele für die A320neo-Familie, das meistgefragte Airbus-Modell, zeitlich zu verschieben.
Verantwortlich für die Sparte ist seit diesem Jahr Lars Wagner, der zuvor als Chef beim Triebwerksbauer MTU tätig war. Er soll den bereinigten operativen Gewinn der Sparte binnen drei Jahren auf etwa zehn Milliarden Euro steigern, fast doppelt so viel wie 2025. Die Produktion der A320neo-Reihe soll bis 2027 auf monatlich 70 bis 75 Maschinen wachsen und danach zunächst auf diesem Niveau verbleiben. Der kleinere Airbus A220 soll 2028 bei einer Monatsproduktion von 13 Maschinen die Gewinnschwelle erreichen.
Technische Aufwertung der A320neo-Familie
Mit dem Paket „STEP4“ bringt Airbus die Modelle A320neo, A321neo und A321XLR technisch enger zusammen. Die A321neo übernimmt dabei unter anderem die elektronische Seitenrudersteuerung und einteilige Flaps aus der A321XLR sowie ein neues Flight-Data-Management-System. Diese Änderungen sollen mit zeitlichem Versatz auch in die A320neo einfließen. Zusätzlich führt Airbus einen neuen APU-Lufteinlass namens „Cobra Duct“ sowie Titansitzschienen ein, die ein bekanntes Korrosionsproblem beheben sollen. Ziel dieser Standardisierungen ist es, im A320neo-Programm stabil auf jährliche Produktionsraten von 1.000 Flugzeugen zu kommen.
Großraumjets und Rüstungssparte mit unterschiedlichem Gewicht
Beim Langstreckenjet A350 sieht Wagner erhebliches Potenzial, da der Wettbewerber Boeing derzeit mit Problemen kämpft. Die für 2028 geplante Produktion von 12 Maschinen pro Monat könnte demnach mittelfristig noch übertroffen werden. Deutlich geringer fällt der Beitrag der Rüstungs- und Raumfahrtsparte Defence & Space sowie des Hubschraubergeschäfts aus: Für 2029 erwartet Faury hier ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,3 beziehungsweise 1,2 Milliarden Euro.
Für das laufende Jahr rechnet Airbus mit rund 870 ausgelieferten Verkehrsflugzeugen – ein neuer Rekord gegenüber den bisherigen 863 Maschinen aus dem Jahr 2019.

