Die An-124 mit dem russischen Kennzeichen RA-82078 wird Kanada vorerst weiter nicht verlassen – zumindest nicht in Richtung Russland. Eine Klage der Eigentümer-Fluggesellschaft Volga-Dnepr vor dem kanadischen Bundesgericht, die eine Herausgabe des beschlagnahmten Frachtflugzeugs rechtlich möglich machen sollte, wurde am 18. August – wenig überraschend – abgeschmettert.
Die Russen hatten in ihrem Antrag an das Gericht eine Lockerung der Sanktionen gefordert, um die seit vier Jahren am Nordostende des Toronto-Pearson Airport parkende Antonow aus Kanada ausfliegen zu können. Als Begründung führte Volga-Dnepr Airlines an, die An-124 sei Ende Februar 2022 aus humanitären Gründen nach Kanada geflogen und habe – im Auftrag der kanadischen Regierung – COVID-19-Testkits aus China ins Land gebracht.
Der zuständige Bundesrichter hatte allerdings kein Einsehen und lehnte die Eingebung aus Russland ab. Als Begründung hieß es im Urteil, Volga-Dnepr arbeite im Auftrag der russischen Regierung und habe “eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der Bemühungen des russischen Regimes gespielt, die von Kanada und seinen Verbündeten verhängten Sanktionen zur Beschaffung von sanktionierten Gütern zu umgehen.”
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Seit dem 27. Februar 2022 steht sich die An-124 RA-82078 in Toronto das Fahrwerk in den Bauch und darf den Airport nicht verlassen.
Volga-Dnepr als Kreml-Komplizin?
Diese Güter kämen “in sensiblen oder militärisch relevanten Bereichen” zum Einsatz, so das Gericht weiter. Damit habe Volga-Dnepr auf russischer Seite zumindest indirekt den Fortgang des Krieges gegen die Ukraine gefördert.
Zwar hatte Volga-Dnepr dargelegt, sie transportiere schon seit 2018 keine militärische Fracht mehr und habe auch bei der Logistik rund um Russlands Angriff auf die Ukraine keine Rolle gespielt – allerdings argumentierte der kanadische Richter gegen diese Aussagen, die Airline habe “von Verträgen und Subventionen der russischen Regierung profitiert” und mitgeholfen, Sanktionen auszuhebeln.

DB Schenker
Die An-124 von Volga-Dnepr waren bis 2022 gern gesehene Gäste in aller Welt und wurden auch von westlichen Unternehmen regelmäßig beauftragt.
Volga-Dnepr war einst weltweit gefragt
Tatsächlich schloss Volga-Dnepr im Frühjahr 2022 Abkommen mit russischen Behörden – unter anderem mit der Moskauer Stadtregierung über den Transport von rund 20.000 Tonnen “kritischer Fracht”. Unter anderem flog die Airline fortan auffallend häufig nach China. Allerdings waren Verträge dieser Art für den Cargo-Carrier damals die mutmaßlich einzige Möglichkeit, zu überleben, brach Volga-Dnepr doch im Zuge der westlichen Sanktionen gegen russische Unternehmen eine tragende Säule des Geschäfts weg.
Vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine waren die Qualitäten der Frachtfluglinie weltweit gefragt gewesen. Mit ihren An-124 und Iljuschin Il-76TD-90VD hatte Volga-Dnepr sperrige Güter im Auftrag zahlloser internationaler Auftraggeber transportiert. Die nun in Kanada festsitzende RA-82078 war am 27. Februar 2022 – drei Tage nach der russischen Invasion in der Ukraine – nach einem Tankstopp in Anchorage (Alaska) in Toronto gelandet.
Kurz nach Entladen der von der kanadischen Regierung georderten Corona-Schnelltests aus China traten die Luftraumsperren in Kraft, die von den USA, Kanada und der EU gegen russische Flugzeuge verhängt wurden. Dadurch konnte die Volga-Dnepr-Crew ihr Flugzeug nicht mehr in die Heimat überführen.

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Nach wie vor ist unklar, was nun wirklich mit der RA-82078 in Toronto geschieht. Besser wird das Flugzeug durch das jahrelange Herumstehen im Freien sicher nicht.
Schon 1,7 Millionen Dollar Parkgebühren
In der Folgezeit entbrannte ein erbitterter Streit um die Antonow. Volga-Dnepr verlangte sie zurück, Kanada dagegen versprach sie der Ukraine als Kriegsreparation. Unterdessen steht die RA-82078 allerdings immer noch in Toronto und häuft jede Menge Parkgebühren an. Angaben aus dem Jahr 2022 zufolge belaufen sich diese auf 1065 US-Dollar pro Tag.
Mit Stand 20. August 2026 wären damit bereits 1,741 Millionen US-Dollar Gebühr aufgelaufen – und ein Ende scheint nicht absehbar, ebenso wie eine finale Antwort auf die Frage, wer die Schlussrechnung denn bezahlt.

