Chefredakteur Thomas Borchert
Trotz aller Tragik: Für mich persönlich ist der Tag vor allem aus beruflicher Sicht unvergesslich. Ich war damals Ressortleiter beim stern. Das Heft war fertig: Dienstagnachmittag wurde der stern gedruckt. Unsere Assistentin hörte nebenbei Radio und bat mich, den Fernseher in meinem Büro einzuschalten. Ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen. Während wir noch diskutierten, ob so etwas aus Versehen passieren kann, flog der zweite Jet an.
Als die Gebäude einstürzten, saßen wir Ressortleiter bereits in einer Notfall-Konferenz in der Chefredaktion. Die Druckmaschinen wurden angehalten. Wir bekamen bis kurz vor Mitternacht Zeit, einen Sonderteil mit allem zu füllen, was bereits bekannt war.
Wie die stern-Redaktion auf die Anschläge reagierte
Die große stern-Maschinerie mit damals mehr als 200 Redakteuren gab Vollgas – aus journalistischer Sicht ein ganz besonderes Erlebnis. Die Aufgaben wurden verteilt: Für unser Technik-Ressort ging es um die Konstruktion der Wolkenkratzer und die Frage, wie und warum diese einstürzen könnten.
Eigentlich war ich abends mit amerikanischen Freunden verabredet, die aus Madrid einfliegen wollten. Sie riefen an und meinten: „Unser Flug ist irgendwie verspätet.“ Ich sagte: „Ja, klar, habt Ihr denn nicht vom World Trade Center gehört?“ Sie fragten zurück, was damit sei. Meine Antwort: „Das gibt es nicht mehr.“ Spät nachts, nach Redaktionsschluss, kamen sie doch noch an. Wir saßen zusammen bei einem Glas Wein in der Hotelbar, tief geschockt.

AERO-Redakteur Wolfgang Borgmann
Ich arbeitete damals als freier Luftfahrtjournalist in meinem Homeoffice in Castrop-Rauxel, als im Radio die zunächst wenig dramatisch klingende Nachricht kam, ein Kleinflugzeug sei in ein Hochhaus in New York geflogen. Neugierig schaltete ich den Fernseher ein. Es erschien mir so undenkbar, dass ein Verkehrsflugzeug ins World Trade Center rasen konnte, dass ich die ersten Bilder ebenfalls als die eines kleinen Businessjets deutete – und wieder ausschaltete. Erst weitere Meldungen ließen mich zurückkehren. Live sah ich, wie der zweite Jet in die Türme krachte.
Langsam begriff ich die Tragweite. Ich rief meine Frau im Büro an. Meinen Satz, dass die Welt ab heute eine andere sein werde, tat sie zunächst ungläubig ab. Erst langsam sprach sich auch unter ihren Kollegen herum, was geschehen war. Irgendwann konnte ich die immer gleichen Filmsequenzen nicht mehr sehen. Abends saßen wir mit einem Glas Wein auf unserem Balkon, umgeben von Wiesen und Pferdekoppeln. Ein idyllischer Anblick, der so gar nicht zu den Weltnachrichten passte – und half, die apokalyptischen Bilder für eine Weile hinter sich zu lassen.
Heinrich Großbongardt, Freier Mitarbeiter
Ich war damals Pressesprecher von Boeing für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Als ich den Fernseher einschaltete, sah ich einen Turm des World Trade Centers in Rauch gehüllt. Wenig später krachte das zweite Flugzeug in den noch intakten Turm. Damit war klar: Das war kein Unfall. Ich sagte zu meiner Frau: „Das hier ist eine Nummer, bei der bin ich nicht gefragt, und falls jemand fragen sollte, würden mir die Worte fehlen.“
Am nächsten Morgen warnte ich meine Mitarbeiter, dass die Luftfahrt in eine tiefe Krise rutschen werde. Und so kam es. Damals wohnte ich nahe dem Outer Marker der Landebahn 23 in Hamburg und liebte die Flugzeuge über unserem Garten. Nach 9/11 betrachtete ich sie einige Wochen mit gemischten Gefühlen – nicht aus Angst, sondern weil ich mich von den Bildern des Anschlags nicht frei machen konnte.
AERO-Redakteurin Astrid Röben
Der 11. September 2001 war ein sonniger Dienstag in Norddeutschland – und ein Tag, der die Zeitrechnung in „vor 9/11“ und „nach 9/11“ einteilte. Ich war erst seit wenigen Tagen Redakteurin der AERO INTERNATIONAL und stand an der Kasse unseres örtlichen Supermarkts. Über der Theke des Bäckers las ich im Nachrichtenticker des Fernsehers: „New York: Flugzeug auf World Trade Center gestürzt.“
Mehr war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Bis Mitternacht saß ich erschrocken vor dem Fernseher. Unfähig, einfach ins Bett zu gehen. Niemand wusste: War es das? Oder kommt noch mehr? Wenige Tage später war Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe.
Die Erinnerungen an den 11. September 2001 verblassen nicht
Ab Mittwochmorgen beschäftigte uns die Frage, wie man ein Thema solchen Ausmaßes in aller Eile aufbereitet, ohne dass der Beitrag zwei Wochen später bereits veraltet oder voller Fehler sein würde. Wir telefonierten, recherchierten und arbeiteten auf Hochtouren. Viele Untersuchungsergebnisse folgten allerdings erst Wochen und Monate später.
2016 holte mich das Thema erneut ein. In Dallas traf ich einen Mitarbeiter von American Airlines, der im September 2001 zum Bodenpersonal in Boston gehört hatte. Er hatte fünf der Terroristen am Gate einen guten Flug gewünscht und berichtete mir von seinen psychischen Problemen. Wir hatten den 11. September medial längst aufgearbeitet. Opfer, Angehörige und direkt Betroffene haben es bis heute nicht.
Emily Fitzgerald, Head of Sales
Ich studierte damals und jobbte nebenbei als Promoterin in einem Hamburger Einkaufszentrum. Ein Kollege sah in seiner Pause im Fernsehen die Bilder aus New York und kam aufgeregt zurück. Zunächst dachten wir an einen schrecklichen Unfall. Als das zweite Flugzeug einschlug, war klar, dass etwas viel Schlimmeres geschah.
Ungläubigkeit und Entsetzen sorgten im riesigen Shoppingcenter für eine gespenstische Stimmung. Eine Frau an unserem Stand versuchte verzweifelt, ihre Tochter in New York zu erreichen. Sie erreichte sie nicht, war völlig aufgelöst und wurde schließlich von ihrem Mann abgeholt. Ich hoffe bis heute, dass es ihrer Tochter gut geht.
Bilder von 9/11, die bis heute geblieben sind
Besonders die Bilder der Menschen, die in ihrer Verzweiflung aus den brennenden Türmen sprangen, haben mich tief erschüttert und bewegen mich bis heute. Als sich nach und nach herausstellte, dass einige der Attentäter Verbindungen nach Hamburg hatten, entstand für mich eine zusätzliche Nähe. Plötzlich rückte meine Heimatstadt in den Mittelpunkt eines Anschlags, der die ganze Welt erschüttert hatte.
Angst vorm Fliegen ist bei mir zum Glück trotzdem nicht entstanden. Unvorhersehbare Ereignisse kann es jederzeit geben. Das blende ich bewusst aus. Ein Leben in Angst braucht schließlich niemand.
Online-Chefredakteurin Isabella Sauer
Ich war zehn Jahre alt und mit meiner Grundschulklasse auf Klassenfahrt in Bad Bentheim. Ich erinnere mich, wie ich an einer halb geöffneten Tür vorbeiging, hinter der unsere Lehrerinnen saßen. Neugierig blieb ich stehen und lauschte. Im Raum lief der Fernseher; die Lehrerinnen diskutierten darüber, was passiert war, und ob und wie sie uns Kinder informieren sollten.
Die Nachrichtenbilder und die einstürzenden Türme habe ich bis heute im Kopf. Später erzählten uns die Lehrerinnen von den Anschlägen. Dass etwas Schreckliches passiert war, verstand ich. Das Ausmaß und die Folgen für die Welt und die Luftfahrt waren für mich als Zehnjährige kaum greifbar.
Mia Schrader, Freie Mitarbeiterin
Auch wenn ich am 11. September 2001 noch nicht geboren war, ist das Datum für mich präsent. Zum ersten Mal erfuhr ich durch meine Eltern von den Anschlägen. Sie erzählten mir, dass früher während eines Flugs teilweise noch ein Blick ins Cockpit möglich war. Als ich erstmals in einem Flugzeug saß, war daran längst nicht mehr zu denken.
In der Schule sprachen wir vor allem über politische Folgen. Am eindrucksvollsten war für mich jedoch der Besuch des 9/11 Memorial & Museum in New York. Dort wurde mir das Ausmaß der Katastrophe richtig bewusst.
Kurt Hofmann, Freier Mitarbeiter
Ich war an diesem Tag mit 1200 Flughafendirektoren auf einer Airport-Konferenz in Montreal und wartete auf mein Interview mit dem Chef der New Yorker Flughäfen, als wir auf den Bildschirmen die Anschläge sahen. Die meisten US-Direktoren reisten sofort ab; meine österreichische Delegation strandete dagegen in Kanada. Schließlich erfuhren wir von einem Austrian-Airlines-Flug ab Toronto. Dank der Kontakte des Wiener Flughafens bekamen wir Plätze und konnten nach Europa zurückkehren.
AERO-Redakteur Dominik Lelle
Ich war elf Jahre alt. Nach der Schule ging es mit meinen Eltern zum Kleidereinkauf, als ein Radiosender sein Programm unterbrach: Vorfälle in New York. Als Elfjähriger konnte ich mir darunter wenig vorstellen. Die Nachricht blieb abstrakt, fern und unwirklich. Erst zu Hause sah ich im Fernsehen, dass bereits ein weiteres Flugzeug in den zweiten Turm geflogen war. Bilder, die ich bis dahin höchstens aus Videospielen kannte.
Zehn Jahre später bekam die Geschichte eine persönliche Note. Anfang September 2011 reisten meine Eltern und ich nach New York. Erst vor Ort fiel uns auf, dass unser Rückflug ausgerechnet am 11. September stattfand. Die Sicherheitskontrollen waren längst spürbar strenger. Trotzdem blieb an diesem Tag ein leicht mulmiges Gefühl. Verstärkt wurde es, weil der JFK Airport ungewöhnlich leer wirkte. Ob das tatsächlich so war oder nur unsere Wahrnehmung, sei dahingestellt.
Susanne Weber, Freie Mitarbeiterin
Ich weiß noch genau, dass ich am 11. September 2001 total unter Zeitdruck stand, weil ich einen langen Artikel zu Ende schreiben musste. Gerade hatte ich alle Infos zusammen und war schön im Schreib-Flow, als mein Mann anrief und sagte, es sei etwas Schreckliches passiert. Meine Antwort: „Lass uns später telefonieren, ich kann jetzt nicht.“ Als ich meinen Artikel fertig hatte, las ich im Internet, was passiert war … Ein Grauen.

