Bei der öffentlichen Vorstellung des Prototyps des neuen Tesla Roadster durfte das Fahrzeug am 15. Oktober wieder fliegen – wenn auch nicht ganz so hoch wie 2018. Stattdessen zeigte das Fahrzeug einen spektakulären Stunt: Es fuhr eine Rampe in Form eines halben Loopings hoch und führte am Ende in der Luft eine halbe Rolle durch, um anschließend sanft auf dem Boden zu landen.
Neben einem aktiven Lüftersystem, das Luft unter dem Fahrzeug absaugt und damit Abtrieb erzeugt, kommt dafür auch Technik zum Einsatz, die für die Lageregelung von Raumkapseln, Raketenstufen und Satelliten im Weltraum genutzt werden: sogenannte Kaltgastriebwerke. Im Gegensatz zu anderen Raketentriebwerken wird der dabei verwendete, unter Druck stehende Treibstoff nicht verbrannt, sondern einfach über eine Schubdüse ausgestoßen und expandiert.
Einfache und günstige Technik
Meist kommen als Treibstoff wenig reaktionsfreudige (sogenannte inerte) Gase zum Einsatz, beispielsweise Stickstoff, Helium, Argon oder auch einfach Luft. Auf dem Event am 15. Oktober sagte der Engineering Vice President von Tesla, Lars Moravy, dass der Roadster 600 Liter Druckluft nutzt.
Weil sie keine Brennkammer benötigen, sind Kaltgastriebwerke einfach aufgebaut, günstig und zuverlässig. Sie bestehen aus einem Drucktank, einem Ventil, einer Lavaldüse und den entsprechenden Leitungen. Allerdings bieten sie weniger Schub und Effizienz als konventionelle Raketentriebwerke. Der maximale Schub hängt vom Druck im Tank ab.
Für den Roadster haben Tesla und SpaceX eigens Kaltgastriebwerke entwickelt. “SpaceX setzt seit Jahrzehnten Triebwerke ein, um Raumfahrzeuge zu positionieren”, so Tesla auf Elon Musks Kurznachrichtendienst X. “Um sie in einem Fahrzeug statt im Vakuum zum Einsatz zu bringen, waren völlig neue Hardware und Steuerungssysteme erforderlich.”
Kaltgastriebwerke für zwei Roadster-Varianten
Jeder nutzbare Hohlraum sei mit Drucktanks aus Metall und Kohlefaserverbundwerkstoffen (Carbon Fiber Overwrapped Pressure Vessel, COPV) ausgefüllt, so Tesla. Auch SpaceX nutzt diese Art von Tanks in der Falcon 9 und im Starship. Allerdings gab es mit ihnen bereits einige Zwischenfälle: 2016 explodierte eine Falcon 9 auf der Startrampe, weil ein COPV innerhalb des Flüssigsauerstofftanks versagte. Ein ähnlicher Fall hatte sich bereits ein Jahr zuvor ereignet, als ein COPV im Flug barst. 2025 wurde ein Starship-Prototyp wegen eines defekten COPV zerstört.
Tesla plant drei Varianten des Roadster. Kaltgastriebwerke sind für die Versionen “Thrust” und “Rocket” vorgesehen. Beim zweisitzigen “Thrust” sorgen vier am Heck montierte Kaltgastriebwerke für eine schnelle Beschleunigung.
UE
Der Roadster “Thruster” hat vier Kaltgastriebwerke am Heck.
“Rocket” ist ein Einsitzer, der rundum mit zehn Kaltgasdüsen ausgestattet ist, die Vorwärts- und Seitwärtsbeschleunigung unterstützen sowie seitliche Drehbewegungen ermöglichen. “Rocket” ist die Variante, die auch fliegen kann. Sie wird aber laut Tesla keine Straßenzulassung haben.
Elon Musk sprach erstmals 2018 darüber, den nächsten Roadster mit zehn kleinen Raketentriebwerken auszustatten. Allerdings wurde das Projekt damals wegen Produktionsproblemen mit dem Model 3 zurückgestellt. Die neue Generation des Roadster soll nun ab 2028 gebaut werden, so Musk. Wie viel die verschiedenen Varianten kosten werden, sagte er nicht. Der Roadster “Rocket” ist aber nicht frei verkäuflich, sondern nur auf Einladung Teslas möglich.

