Über 8,25 Millionen Touristinnen und Touristen besuchten im Jahr 2025 die tschechische Hauptstadt Prag. Neben der Prager Burg, der weltberühmten Karlsbrücke und dem tschechischen Bier kommen einige Reisende aber auch der Luftfahrt wegen. Denn abseits der gerade in den Sommermonaten stark überfüllten Innenstadt von Prag gibt es ein lohnenswertes Ausflugsziel nur wenige Kilometer außerhalb, am Militärflughafen Kbely.
Das dortige Luftfahrtmuseum des tschechischen Militärs präsentiert bei kostenlosem Eintritt eine Sammlung historischer Flugzeuge. Aufgrund von deren Quantität und Qualität zählt das Prager Luftfahrtmuseum mit rund 275 Exponaten, davon die Hälfte zugänglich, zu den größten Ausstellungen seiner Art in Europa. Das Museum ist eng mit der Geschichte der tschechoslowakischen und tschechischen Luftfahrt verbunden, insbesondere mit deren militärischem Zweig.
Seit 1968 von einem auf sechs Hangars gewachsen
Errichtet 1918, war Kbely der erste vollwertige Flughafen auf tschechoslowakischem Territorium nach dem Ersten Weltkrieg und zugleich Heimat der Luftwaffe. Der zivile Luftverkehr entwickelte sich am Hauptstadtflughafen recht zügig, und im Oktober 1923 hob von dort aus der erste Linienflug der neu gegründeten CSA Czechoslovak Airlines nach Bratislava ab. Schon bald begann die Regierung mit dem Bau des Zivilflughafens Prague-Ruzyne, dem heutigen Vaclav Havel – Prague Airport, von wo aus ab 1937 der zivile Luftverkehr abgewickelt wurde. Der Flughafen Kbely blieb nun der tschechoslowakischen Luftfahrtproduktion und dem Militär vorbehalten.
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der tschechoslowakischen Luftfahrtindustrie wurde am Flughafen Kbely im Jahre 1968 das Luftfahrtmuseum offiziell gegründet. Bereits Jahre zuvor hatte das Prager Militärmuseum ein Programm zur Bergung, Restaurierung und Erhaltung historischer Flugzeuge aus der ganzen Tschechoslowakei gestartet. Zunächst wurde ein Hangar genutzt, in dem etwa fünfzig Flugzeuge der Öffentlichkeit präsentiert wurden.
Iljuschin Il-18B: Die bewegte Geschichte der OK-NAA
Doch im Laufe der Zeit wuchs die Sammlung an, sodass heute in sechs Hangars und auf den Außenflächen die Flugzeugsammlung mit fast 50 Triebwerken und Dutzenden weiteren Flugzeugteilen wie Propellern, Instrumentenausrüstung, Luftwaffenausrüstung und anderen Komponenten ausgestellt wird. Darunter befinden sich auch zahlreiche Verkehrsflugzeuge, wie das erste von der CSA eingesetzte Düsenflugzeug, eine Tupolev Tu-104, eine Lisunov-2 (russischer Douglas-DC-3-Nachbau), oder eine Douglas DC-3-229 Dakota.
Ein frisch restaurierter Hingucker der Ausstellung im Freigelände ist eine Iljuschin Il-18B der CSA – die Fluglinie hatte einst zwölf Exemplare im Einsatz. Bei der ausgestellten Iljuschin mit dem Kennzeichen OK-NAA handelt es sich um ein Flugzeug mit bewegter Geschichte. Sie wurde im Jahr 1959 in der Sowjetunion gebaut und am 8. Januar 1960 an CSA ausgeliefert, bei der sie unter anderem auf der Route Prag – Jakarta zum Einsatz kam. Am 2. Januar 1977 kollidierte die Ilyuschin am Flughafen Prag-Ruznye beim Startvorgang mit einer Tupolev Tu-134A (OK-CFD) von CSA, die gerade zur Landung ansetzte. Bei dem Zusammenstoß wurde das Flugzeug beschädigt, später jedoch wieder in einen flugfähigen Zustand gebracht.
Entführung des Flugzeugs nach Frankfurt-Main
Am 10. Mai 1978 kam es mit demselben Flugzeug auf einem Inlandsflug von Prag nach Brünn mit 46 Personen an Bord zu einer gewalttätigen Flucht in den Westen, die in einer Entführung der Maschine nach Frankfurt-Main endete. Der Haupttäter dieser Entführung war der 27-jährige Taxifahrer Josef Katrinčák. Begleitet wurde er bei dieser Tat von seiner Ehefrau Anna, den zwei gemeinsamen Kindern sowie einem weiteren Komplizen.
Wie die Zeitung New York Times in einem Artikel berichtete, hatte der Täter, um die Besatzung zur Kursänderung in den Westen zu zwingen, ein Plastikgefäß mit über zwei Kilogramm Sprengstoff bei sich, wobei sich nach der Landung am Flughafen Frankfurt-Main herausstellte, dass kein Zünder verbaut war. In Deutschland wurden die Entführer, die dem Kommunismus durch ihre Aktion entfliehen wollten, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, erhielten jedoch nach Verbüßung der Haftstrafe politisches Asyl. Noch im Jahr der Entführung wurde die Ilyuschin Il-18B bei CSA ausgemustert und im Jahr darauf ins Museum nach Kbely überstellt.
Viele militärische Flugzeuge in Kbely ausgestellt
Da es sich bei Kbely um einen aktiven Militärstützpunkt handelt, ist die Ausstellung auch einem besonderen Aspekt der Geschichte der tschechischen Heerestransportluftwaffe und des Luftwaffenstützpunktes 24 gewidmet. Mit der friedlichen Trennung der Tschechoslowakei in die beiden unabhängigen Staaten Tschechien und Slowakei am 1. Januar 1993 wurden auch die Bestände des Militärs (Hubschrauber, Kampfjets, VIP-Transportflotte) auf beide Staaten aufgeteilt. Dieser Umstand führte auch dazu, dass Teile der Ausstellung aus dem Flugzeugmuseum Kbely in die Slowakei gebracht wurden.
Unter den heute ausgestellten Flugzeugen russischer Produktion finden sich zahlreiche Antonov-Transportflugzeuge (An-24/-26/-30) sowie VIP-Flugzeuge der tschechischen Flugbereitschaft wie eine Yakovlev Yak-40 und ein Canadair Challenger 601. Eine Besonderheit stellen die zahlreich in tschechischer Produktion hergestellten Flugzeuge dar, wie die Let-410 UVP der tschechischen Luftwaffe oder eine Avia 14 beziehungsweise eine Av-14 FG, eine Spezialversion der sowjetischen Il-14, die speziell für Luftbild- und Vermessungsaufgaben in Tschechien gebaut wurde.
Am Flughafen Kbely sind auch Airbus A319 ACJ stationiert
Zudem besteht die Ausstellung auch aus einer Vielzahl an russischen Kampfflugzeugen und Hubschraubern, die in der Armee der Tschechoslowakei im Laufe der Jahre zum Einsatz kamen. Nicht zu vergessen sind die Aero L-29 «Delphin» und die Aero L-39 «Albatros», zwei sehr erfolgreich produzierte Erd- und Trainingskampfflugzeuge aus tschechischer Produktion, die in vielen Warschauer-Pakt-Staaten zum Einsatz kamen.
Wer etwas Glück hat, kann während seines Besuches vielleicht sogar im aktiven Bereich des Flughafens Kbely einen Blick auf die beiden Airbus A319 ACJ mit einer VIP-Kabine werfen, die von der Flugbereitschaft für Regierungsflüge stationiert sind. Neuester Zugang der ebenfalls in Kbely stationierten taktischen Transport- und Spezialflotte (242. Transport- und Spezialstaffel) ist eine im Juli 2026 ausgelieferte Embraer C-390 Millennium. Sie ergänzt zahlreiche Let-410 UVP sowie sechs Airbus C-295 (CASA) bei den Transportaufgaben der tschechischen Luftwaffe.
Das Museum ist von Mai bis September täglich außer montags von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Im Oktober ist das Museum an den Wochenenden geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Zum Museum führen die Buslinien 185, 259, 280, 302, 375 oder 376 – die Fahrt dauert zehn Minuten ab der U-Bahn-Station Letňany (Haltestelle «Letecké museum»).
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