Die Sache ist eigentlich gar nicht so neu, kocht seit rund einer Woche aber wieder hoch: Bei der Suche nach einem Nachfolgemuster für seine Eurofighter Tranche 1 hat das Bundesheer laut eigenen Angaben neben Dassault Rafale, Saab Gripen E/F, Eurofighter Typhoon und Lockheed Martin F-35A auch die Boeing F-15EX Eagle II im Auge. Zumindest nannte Harald Vodosek, damals Rüstungschef des Bundesheeres, im Interview mit dem ORF Anfang April diese fünf Typen explizit.
Das österreichische Portal Militär Aktuell ergänzte die Liste noch um die beiden Exoten KAI KF-21 Boramae aus Südkorea und TAI Kaan aus der Türkei und berief sich dabei auf eigene Recherchen. Diese beiden Muster dürften allerdings kaum mehr als Außenseiterchancen haben, wenngleich besonders die KF-21 rein vom Kosten- und Leistungsprofil her durchaus ein stimmiges Gesamtpaket für Österreich abgeben könnte.
Warum aber ausgerechnet die F-15EX eine sinnvolle Option für Österreich sein soll, das fragten sich viele Außenstehende bereits im April – und nachdem neben Militär Aktuell auch mehrere andere österreichische (und deutsche) Medien sich seit Anfang Oktober verstärkt mit der neuen “Super Eagle” als Eurofighter-Erbin auseinandersetzen, lohnt ein Blick auf die Gründe, warum das eigentlich nur eine Schnapsidee sein kann.
Bundesheer
Die Eurofighter der Österreicher erreichen Mitte der 2030er Jahre das Ende ihrer Lebensdauer. Bis 2029 will Wien daher einen Nachfolger wählen.
Zu groß, zu teuer, zu viele
Es beginnt schon bei den nackten Zahlen. Bis zu 36 neue Kampfjets will Österreich als Ersatz für die bislang 15 Eurofighter der Tranche 1 einkaufen – als Ergebnis einer “militärischen Bedarfsrechnung”, wie Bundesheer-General Vodosek, inzwischen Chef des Generalstabs, seinerzeit erläuterte.
36 Boeing F-15EX Eagle II für ein kleines, mitteleuropäisches Land wie Österreich wären allerdings geradezu absurd. Nicht nur, weil die F-15EX pro Stück mindestens 94 Millionen US-Dollar kostet und zu diesem bereits recht hohen Preis noch Kosten für Wartungs-, Ausbildungs- und Waffenpakete hinzukommen. Sondern vor allem, weil die wuchtige Eagle II – und erst recht 36 davon – für österreichische Bedürfnisse absolut überdimensioniert wäre.
Die F-15EX kann eine Waffenlast von 13,4 Tonnen tragen – etwa doppelt so viel wie die aktuell genutzten Tranche 1-Eurofighter. Diese Waffenlast umfasst eine enorme Vielfalt an Luft-Luft- und Luft-Boden-Flugkörpern – ein Arsenal, das das neutrale, primär auf die Luftraumverteidigung fokussierte und nicht – wie etwa Israel – von Feinden umgebene Österreich gar nicht benötigt.
Selbst wenn der Aufgabenbereich des Bundesheers sich angesichts veränderter Sicherheitslage in Europa perspektivisch erweitert und künftig zum Beisipel auch Jabo-Missionen oder den Einsatz gegen Drohnenschwärme umfasst, ändert sich diese Einschätzung kaum, bieten doch auch kleiner dimensionierte Muster diese Fähigkeit in ausreichendem Maße an. Zumal Österreich ergänzend bereits bei Leonardo die M-346FA bestellt hat, die sich ebenfalls für Anti-Drohnen-Einsätze und (leichten) Erdkampf eignet.

USAF
Die F-15EX Eagle II ist eine tiefgreifend modernisierte Version der bewährten F-15E Strike Eagle. Sie nutzt einen leistungsstarken, neuen Missionscomputer und das AESA-Radar AN/APG-82.
Ein Schwergewicht, das nicht passt
Das maximale Startgewicht der F-15EX liegt bei mehr als 36,7 Tonnen. Verglichen mit den rund 24 Tonnen Maximalgewicht moderner Eurofighter-Generationen ist das enorm, kein anderes modernes Kampfjet-Muster aus dem Westen kommt an diese Zahl heran. Dabei standen schon Österreichs aktuelle Eurofighter in der Kritik, überdimensioniert zu sein.
Apropos überdimensioniert: So viel Gewicht, wie die F-15EX schleppt, will natürlich auch standesgemäß in die Luft befördert werden – vor allem, wenn das Flugzeug mit Mach 2.5 auch noch schneller fliegen soll als die meisten anderen aktuellen Fighter. Für die notwendige Power sorgen daher zwei GE Aerospace F110-GE-129 mit je 131 kN Schub. Dieser Triebwerkstyp kommt auch bei der F-16V zum Einsatz – allerdings nur einfach. Die Eagle II besitzt also doppelt so viel Schubkraft wie eine F-16 (und rund 50 kN mehr als ein Eurofighter). Sie braucht aber auch entsprechend mehr Sprit, was sie auch betriebskostentechnisch zu einem Schwergewicht macht.

Saab
Saab Gripen E/F (Foto) oder neue Eurofighter wären für Österreich die logische Wahl – und leistungstechnisch völlig ausreichend.
Was ist mit “buy European”?
Und dann bliebe da auch noch die Frage nach der politischen Abhängigkeit von den USA. Will sich Wien wirklich ein US-Muster ins Haus holen und damit bewusst in Abhängigkeitsverhältnisse zu Washington treten, von denen man sich bislang mehrheitlich erfolgreich ferngehalten hat? Zumal, wenn es für die hauseigenen Anforderungen doch gleich mehrere Flugzeugmuster aus Europa gibt, die deutlich besser ins Profil passen als die F-15EX (oder auch die F-35A, aber das ist eine andere Geschichte)?
Mit der Saab Gripen E/F aus Schweden (von wo man einst auch die J-35 Draken bezog), der Rafale von Dassault aus Frankreich und neuen Eurofighter-Generationen (bei denen man auf die zuletzt mit der Tranche 1 gesammelten Erfahrungen und die geschaffene Infrastruktur aufsatteln kann) bieten sich jedenfalls drei Optionen “made in Europe” an, die für Österreich deutlich geeigneter erscheinen als die F-15EX.
Was im Übrigen die Tatsache nicht mindert, dass die Eagle II zweifellos ein herausragendes Kampfflugzeug ist. Aber eben eins, das zu Österreich einfach nicht passt.

