Seit King Charles III. die britische Krone trägt, bemüht sich der Monarch um ein bodenständiges Auftreten. Als junger Prinz trug er jedoch nicht Krone, sondern Pilotenhelm. Während seines Dienstes bei der Royal Air Force in den Siebzigerjahren flog der spätere König die britischen Trainingsjets BAE Systems Hawk und Sepecat Jaguar. Seine Zeit über den Wolken bezeichnete Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor später als «eines meiner größten Abenteuer».
Auch als Hubschrauberpilot sammelte der heutige Monarch umfangreiche Flugerfahrung. Er lernte den Westland Lynx zu fliegen und sagte rückblickend mit typisch britischem Humor: «Der Hubschrauber wurde Teil meines Körpers.» Anders als sein jüngerer Sohn Harry nahm Charles jedoch nie an Kampfeinsätzen teil. Harry erwarb sich dagegen während seiner Einsätze auf dem Boeing AH-64 Apache in Afghanistan großen Respekt. Selbst die sonst gnadenlose Boulevardpresse schrieb damals: «Der sündige Prinz wird ein guter Prinz» – eine Anspielung auf seine wilde Jugend.
Fünfeinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft
Auch in den Vereinigten Staaten schafften es mehrere Militärpiloten bis an die Spitze der Politik. John McCain, republikanischer Präsidentschaftskandidat des Jahres 2008, wurde 1967 im Vietnamkrieg mit seiner Douglas A-4E Skyhawk durch eine nordvietnamesische SA-2-Guideline-Flugabwehrrakete abgeschossen. Schwer verletzt verbrachte er anschließend fünfeinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft – überwiegend im berüchtigten Hỏa-Lò-Gefängnis in Hanoi, das amerikanische Gefangene zynisch Hanoi Hilton nannten. Die Folgen seiner Gefangenschaft begleiteten ihn bis ins hohe Alter.
Lloyd Bentsen machte ganz andere Erfahrungen. Der Demokrat, der 1988 als Vizepräsidentschaftskandidat an der Seite von Michael Dukakis antrat, flog 1944 von Süditalien aus 35 Einsätze mit der Consolidated B-24 Liberator. Dazu gehörten auch Angriffe auf die von den Nazionalsozialisten kontrollierten Ölfelder von Ploiești in Rumänien. Anders als McCain galt Bentsen als ruhiger, humorvoller und ausgleichender Charakter.
«Texas gegen den Vietkong verteidigt»
Ebenfalls im Zweiten Weltkrieg flog George H. W. Bush Einsätze. Der spätere 41. Präsident der Vereinigten Staaten gehörte mit 18 Jahren zu den jüngsten Marinepiloten seiner Zeit. Im Pazifikkrieg steuerte er Torpedobomber vom Typ TBM Avenger. Nachdem seine Maschine am 2. September 1944 vermutlich durch japanisches Flakfeuer abgeschossen worden war, rettete ihn das U-Boot USS Finback aus dem Pazifik.
Auch George W. Bush entschied sich für die Fliegerei und trat der Texas Air National Guard bei. Dort flog er die Convair F-102 Delta Dagger. Nach Vietnam musste Bush jedoch nie. Obwohl er seinen Wehrdienst 1968 – auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs – antrat, blieb ihm ein Kampfeinsatz erspart. Kritiker warfen ihm später vor, über die Beziehungen seines Vaters dem Einsatz entgangen zu sein. Im Präsidentschaftswahlkampf 2000 spotteten die Demokraten deshalb, Bush habe «Texas gegen den Vietkong verteidigt». Wahlsieger wurde er trotzdem – zunächst gegen Al Gore und vier Jahre später gegen John F. Kerry.
Auch Assad und Mubarak flogen Jets
Eine Ausnahme unter den amerikanischen Spitzenpolitikern bildete Martha McSally. Die ehemalige Kampfpilotin flog die Fairchild Republic A-10 Thunderbolt II, besser bekannt als Warthog, erreichte den Dienstgrad Colonel und absolvierte Kampfeinsätze im Irak und in Afghanistan. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie zudem durch ihre erfolgreiche Klage gegen die Vorschrift, außerhalb amerikanischer Militärbasen in Saudi-Arabien eine Abaya tragen zu müssen. 2019 rückte sie nach dem Tod John McCains als Senatorin für Arizona nach, schied jedoch bereits 2020 wieder aus dem Senat aus.
Auch mehrere Staatsoberhäupter des Nahen Ostens sammelten ihre ersten Führungsqualitäten im Cockpit. Syriens langjähriger Diktator Hafiz al-Assad flog während seiner Militärlaufbahn die sowjetischen Jagdflugzeuge Mig-15, Mig-17 und Mig-21. Ägyptens Präsident Hosni Mubarak absolvierte als Bomberpilot Einsätze während der ägyptischen Intervention im Nordjemenkrieg.
In Deutschland selten
Nach dem Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel scherzte der damalige israelische Präsident Ezer Weizman bei einem Treffen mit Mubarak, vielleicht seien sich beide bereits bei einem Luftkampf über der Sinai-Halbinsel begegnet. Weizman selbst war von 1958 bis 1966 Kommandeur der israelischen Luftwaffe und führte moderne Muster wie die Dassault Mirage III ein. Seine legendäre schwarze Spitfire, die Black Spit, ist bis heute im Museum der israelischen Luftwaffe in der Negev-Wüste flugfähig erhalten. Politisch wandelte sich Weizman später vom Hardliner zum Befürworter eines Ausgleichs mit den arabischen Nachbarn. Sehr zum Ärger konservativer Kräfte sprach er sich sogar für einen israelischen Rückzug von den Golanhöhen aus.
Zu den wenigen deutschen Spitzenpolitikern mit militärischer Pilotenausbildung gehörte Manfred Wörner. Der spätere Verteidigungsminister und Nato-Generalsekretär flog in den Sechzigerjahren die Lockheed F-104 Starfighter und bildete selbst Piloten aus.
Himmelsritter mit Haltung
In der DDR wurde Sigmund Jähn zur Symbolfigur. Der ausgebildete Mig-Pilot wurde 1978 mit Sojus 31 als erster Deutscher ins All geschickt. Sein Flug zur Raumstation Saljut 6 machte ihn zu einem der bekanntesten Gesichter der DDR und zugleich zu einer wichtigen Propagandafigur des SED-Staates.
So unterschiedlich ihre politischen Überzeugungen auch waren – viele der fliegenden Staatsmänner und -frauen verbanden ähnliche Eigenschaften: Entscheidungsstärke, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, auch unter höchstem Druck Ruhe zu bewahren. Gerade George H. W. Bush und Lloyd Bentsen beeindruckten in Fernsehdiskussionen durch Gelassenheit und Souveränität. Vielleicht sind dies jene Nehmerqualitäten, die viele Militärpiloten entwickeln, wenn sie starten, ohne sicher zu wissen, ob sie jemals wieder landen werden.
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