Eine Forsa-Umfrage zeigt die wachsende Unzufriedenheit unter Piloten der Lufthansa Group. Nur 24 Prozent würden den Beruf weiterempfehlen.
Die Zufriedenheit der Pilotinnen und Piloten in der Lufthansa Group nimmt ab. Das zeigt eine Mitgliederbefragung der Vereinigung Cockpit (VC). Zwar bewertet eine Mehrheit die eigene berufliche Situation noch grundsätzlich positiv, gleichzeitig wächst die Sorge über die weitere Entwicklung. Besonders deutlich wird die Skepsis bei der Frage, ob der Pilotenberuf heute noch empfehlenswert ist.
Pilotenzufriedenheit: Nur jeder Vierte würde den Beruf empfehlen
Für die Befragung ließ die Vereinigung Cockpit das Meinungsforschungsinstitut Forsa rund 2700 ihrer Mitglieder befragen. Erfasst wurden Pilotinnen und Piloten von Lufthansa Airlines, Lufthansa Cargo, Lufthansa CityLine und Eurowings. Die Online-Befragung fand im Juni und Juli statt.
Demnach sind rund zwei Drittel der Befragten mit ihrer aktuellen beruflichen Situation grundsätzlich zufrieden. Gleichzeitig sehen 47 Prozent eine Verschlechterung gegenüber den vergangenen Jahren. Lediglich 27 Prozent nehmen eine positive Entwicklung wahr.
Noch deutlicher fällt das Ergebnis bei der Weiterempfehlung aus: Nur 24 Prozent würden heute jemandem raten, Pilot zu werden. 66 Prozent würden den Beruf dagegen eher nicht empfehlen. Damit sieht die VC ein deutliches Warnsignal für die Lufthansa Group und darüber hinaus für die Luftfahrtbranche.
Ursachen für die Unzufriedenheit der Piloten
Als zentrale Gründe nennen die Befragten vor allem den Umgang mit dem Management. Mangelnde Wertschätzung, fehlendes Vertrauen und ein als respektlos empfundener Umgang werden häufig genannt. Auch Arbeitsbedingungen und die Gestaltung der Dienstpläne spielen eine wichtige Rolle.
Unterschiede zeigen sich je nach Altersgruppe. Pilotinnen und Piloten unter 35 Jahren bewerten ihre berufliche Entwicklung vergleichsweise positiv. Bei den Beschäftigten ab 45 Jahren überwiegt dagegen die Einschätzung, dass sich die Situation verschlechtert hat.
Besonders kritisch ist die Stimmung unter den ehemaligen Beschäftigten von Lufthansa CityLine. Die Airline hatte ihren Flugbetrieb im April eingestellt. Auch fehlende Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung innerhalb des Konzerns werden als Belastung genannt.
Betriebliche Altersvorsorge ist zentrales Tarif-Thema
Neben der allgemeinen Berufszufriedenheit liefert die Umfrage auch Hinweise auf die aktuellen tarifpolitischen Prioritäten. Die betriebliche Altersversorgung steht dabei für viele Pilotinnen und Piloten an erster Stelle. Die VC sieht darin einen wichtigen Aspekt des laufenden Tarifkonflikts.
Gleichzeitig bleibt die Unterstützung für die Gewerkschaft hoch. 70 Prozent der Befragten erklären, einem Streikaufruf der Vereinigung Cockpit im Rahmen von Tarifverhandlungen ohne Zögern folgen zu wollen. 71 Prozent sehen zudem Unterschiede zwischen den Interessen von Cockpit, Kabinen- und Bodenpersonal und sprechen sich damit indirekt für eine berufsspezifische Interessenvertretung aus.

