Hinter dem sperrigen Buchstaben-Zahlen-Code CAT.OP.MPA.210 verbergen sich die Easa-Regeln zu kontrollierten Ruhephasen im Cockpit. Erlaubt ist eine Ruhephase von maximal 45 Minuten, wobei der tatsächliche Schlaf rund 30 Minuten nicht überschreiten soll, gefolgt von einer 20-minütigen Erholungsphase. Ruhen darf dabei immer nur eine Pilotin oder ein Pilot, die oder der andere muss währenddessen wach am Steuer bleiben und wird zusätzlich regelmäßig von der Kabinencrew kontrolliert.
Nasa-Studie aus den 1990er-Jahren
Doch woher kommt diese Regel? Die Idee für kontrollierte Ruhephasen im Cockpit geht auf eine Nasa-Studie aus den frühen 1990er-Jahren zurück. Ein Forschungsteam um Mark Rosekind begleitete dafür 21 Langstrecken-Crews auf Transpazifik-Flügen mit der Boeing 747 im regulären Liniendienst, nicht im Simulator. Die Crews wurden in zwei Gruppen geteilt: 12 Piloten durften während der Reiseflugphase eine geplante Ruhepause von rund 40 Minuten einlegen, den neun anderen blieb das verwehrt.
Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im September 1994 als technische Notiz des Nasa Ames Research Center. Die heute oft zitierten Zahlen, wonach ein Nickerchen die Leistung um 34 und die Wachheit um 54 Prozent verbesserte, stammen dagegen aus einer separaten, komprimierten Zusammenfassung, die Rosekind und Kollegen 1995 im Journal of Sleep Research veröffentlichten.
Ruhegruppe wacher, aber keine Übermenschen
Durch die Messung der elektrischen Hirnaktivität und mit Leistungstests hat das Forschungsteam Wachheit und Reaktionsfähigkeit getestet, auch noch beim Sinkflug und bei der Landung. Das Ergebnis: Die Gruppe, die kurz schlafen durfte, schnitt bei Konzentration und Reaktionszeit spürbar besser ab als die Vergleichsgruppe. 93 Prozent der Teilnehmenden aus der Ruhegruppe nutzten die angebotene Schlafgelegenheit. Sie schliefen im Schnitt nach 5,6 Minuten ein und dann für durchschnittlich 25,8 Minuten.
Die Autoren hielten fest, dass Powernaps nicht zu Leistungssteigerungen führten, sondern lediglich zu weniger müden und aufmerksameren Pilotinnen und Piloten. Die Napper wurden nicht zu Übermenschen, sie blieben lediglich leistungsfähiger, während die anderen nachließen.
In den USA bis heute verboten
Die Ergebnisse überzeugten in der Folge zahlreiche Luftfahrtbehörden. Neben der Easa erlauben unter anderem auch Kanada, Australien, China, Indien, Neuseeland, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate kontrollierte Ruhephasen im Cockpit, meist unter ähnlichen Auflagen wie in Europa.
Die große Ausnahme ist ausgerechnet das Land, in dem die Studie entstanden ist: die USA. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA prüfte kontrollierte Ruhephasen im Rahmen ihrer Arbeitszeitregeln, entschied sich am Ende aber dagegen. Erlaubt sind geplante Nickerchen im Sitz bei US-Fluggesellschaften bis heute nicht, weder bei Passagier- noch bei Frachtfliegerinnen und -fliegern. Einzig Luftwaffe und Küstenwache der USA dürfen davon Gebrauch machen.

