Herr Kopf, der Flughafen Altenrhein feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Welche Bedeutung hat das Jubiläum für Sie als Eigentümer?
Markus Kopf: Eine große, denn ich bin stolz, dass es unseren Flughafen bereits seit 100 Jahren gibt, und deshalb ist dieses Jubiläum auch für mich etwas Besonderes. Ich persönlich bin hier am Flughafen seit 18 Jahren involviert und seit 15 Jahren Besitzer der Fluglinie People’s. Abseits des Geschäftlichen muss man schon ehrlich sagen: So einen Flughafen zu besitzen, ist schon ganz schön sexy.
Sie haben in einem früheren Interview einmal gesagt, Sie haben den Flughafen als Immobilieninvestment gekauft. Hat sich aus kaufmännischer Sicht das Investment ausgezahlt?
Kopf: Ja. Ich werde jetzt keine Details oder Zahlen dazu nennen, aber es ist und bleibt ein Immobiliengeschäft, das sich mit dem Flughafen- und Airline-Betrieb rechnet. Ich bereue meinen damaligen Schritt nicht und bin froh, dass ich in das Projekt damals eingestiegen bin.
Man gewinnt heute den Eindruck, dass Sie mit dem Virus Luftfahrt angesteckt worden sind – das war aber nicht von Beginn an so, oder?
Kopf: Ursprünglich habe ich das Projekt ganz ruhig als Immobilienprojekt angegangen, aber ich dachte mir sehr schnell: Wenn man so einen Flughafen besitzt, dann sollte man auch eine eigene Fluglinie dazu haben, nachdem die damalige Zusammenarbeit mit Austrian Airlines auch nicht meinen Vorstellungen entsprach. Es hat mich dann der Ehrgeiz gebissen, denn zu Beginn hat uns eigentlich niemand zugetraut, diese Fluglinie auf die Beine zu stellen. Und ob Sie es glauben oder nicht: Selbst der damalige AUA-Kontrahent, Vorstand Andreas Bierwirth hat mir Jahre nach Beendigung seiner Tätigkeit bei Austrian zum erfolgreichen Betrieb der People’s gratuliert.
«Werden wohl schon bald die Millionengrenze erreichen»
Zahlt sich für Sie als Unternehmer der Betrieb der People’s Airline trotz der hohen Kerosinpreise immer noch aus?
Kopf: Ja, die Fluglinie People’s wäre an und für sich ein Nullsummenspiel, doch sie trägt viel zum Flughafen bei. Deshalb muss der Flugbetrieb der Airline und des Flughafens als Einheit gesehen werden. Eines macht nicht viel Sinn ohne das andere.
Haben Sie schon einmal nachgerechnet, wie viele Passagiere Sie mit ihrer Fluglinie People’s inzwischen nach Wien befördert haben?
Kopf: Wir haben keine genauen Zahlen, aber bei der ungefähren Rechnung ’15 Jahre mal rund 70.000 Passagiere jährlich’ werden wir wohl schon bald die Millionengrenze erreichen.
Herr Krutzler, Sie sind seit zehn Jahren der verantwortliche Geschäftsführer der People’s Group. Wie hat sich Linienverkehr 2026 bisher entwickelt?
Thomas Krutzler: Das Liniengeschäft hat sich so entwickelt, wie wir es uns erwartet und budgetiert haben. Wir rechnen mit ungefähr 45.000 Passagieren auf der Wien-Verbindung im Jahr 2026. Das würde einem leichten Wachstum gegenüber dem Vorjahr entsprechen, als es 42.000 waren. Im Chartergeschäft rechnen wir mit einem leichten Rückgang der Passagierzahlen.
«Aktuell arbeiten wir intensiv an einer Lösungsfindung für die Weiterführung des Hedgings»
Was den Charterverkehr betrifft, haben wir bereits im Vorfeld sehr vorsichtig mit den Veranstaltern geplant, da klar geworden ist, dass der August und sogar schon der Juli herausfordernde Monate werden. Es wird für den Reiseveranstalter immer schwieriger, in den Hoch-Sommermonaten Plätze zu verkaufen. Die klassische Vor- und Nachsaison ist hingegen gut gebucht. Gerade beim Charter muss auch gesagt werden, dass die Konkurrenz nicht schläft. So werden ab Friedrichshafen Strecken nach Palma oder ab Zürich beziehungsweise Memmingen ähnliche Zielgebiete wie ab Altenrhein angeboten. Das spüren auch die regionalen Reiseveranstalter.
Welche Auswirkungen haben die hohen Kerosinkosten?
Krutzler: Beim Buchungsverhalten gab es zwei Aspekte zu beobachten. Auf der Wien-Strecke hatte es nur eine indirekte Auswirkung – einige Unternehmen haben beispielsweise Projekte verschoben und damit die Anzahl der geplanten Reisen reduziert. Das Buchungsverhalten im touristischen Markt ist weiterhin zurückhaltend, weil man nicht weiß, wie sich die geopolitische Situation und die Reisekosten entwickeln würden. Natürlich haben die hohen Kosten für Kerosin eine Relevanz für unsere Fluglinie. Im ersten Halbjahr konnten wir das durch das Hedging gut abfedern. Aktuell arbeiten wir intensiv an einer Lösungsfindung für die Weiterführung des Hedgings.
Die «Laura», die Embrar E170 von People’s, ist inzwischen 20 Jahre alt. Denk Sie über eine Ablöse nach?
Krutzler: Die Frage nach einer Ablöse ist grundsätzlich berechtigt. Dabei stellt sich aber nicht nur die Frage, welche Investitionen wir zukünftig für einen möglichen weiteren Betrieb der Embraer E170 tätigen müssten, sondern auch, was der Markt bei der Beschaffung einer Alternative auf der Strecke derzeit hergibt. Das ist eine Diskussion, die wir derzeit führen.
Welche Investitionen müssten für einen Weiterbetrieb des Embraer-Jets getätigt werden?
Krutzler: Ende des nächsten Jahres wäre die Überholung beider Triebwerke plus ein C-Check fällig, weshalb wir uns aktuell die Frage stellen: Wollen wir das überhaupt? Wie ist dies kaufmännisch vernünftig darstellbar? Ist es in diesem Marktumfeld sinnvoll? Diese Fragestellung und die Antwort darauf werden wir wahrscheinlich in den nächsten Wochen entscheiden müssen. Die Investitionsplanung braucht eine ausreichende Vorlaufzeit, man ist hier in einem gewissen Zugzwang.
«Eigentlich wäre ja die ATR 72-600 von der Größe her ein denkbares Flugzeug, doch …»
Könnte bei der Wahl eines Ersatzes auch ein kleinerer Flugzeugtyp zum Zug kommen?
Krutzler: Wir sind hier von den Flugzeugmodellen und von den operationellen Restriktionen des Flugplatzes abhängig. Eigentlich wäre ja die ATR 72-600 von der Größe her ein denkbares Flugzeug, doch die limitierte Performance des Flugzeuges kommt für unseren Flugplatz nicht infrage. In der Vergangenheit haben wir gemeinsam mit Avanti Air die Performance der Dash 8-400 vor Ort ausgelotet, doch das Flugzeug könnte, obwohl es von Austrian jahrelang nach Wien eingesetzt wurde, heute nicht mit voller Beladung eingesetzt werden. Die Piste ist die gleiche geblieben, doch die Hindernisberechnung hat sich in den letzten Jahren geändert, wodurch die Performance leidet, sodass die Dash 8 eigentlich auch fast ausscheidet.
Dann bleibt aktuell ja eigentlich nur eine Dornier 328 als Alternative übrig.
Krutzler: Denkbar. Das birgt aber sowohl kaufmännische als auch operationelle Herausforderungen. Viele weitere Alternativen gibt es allerdings tatsächlich nicht.
Noch vor Kurzem gab es Sorgen über die finanzielle Zukunft des Flugplatzes, nachdem der Bund die Kosten für die Flugsicherung der People‘s Air Group verrechnen wollte. Sind diese Probleme gelöst?
Krutzler: Für den Moment ist das Thema gelöst. Wir konnten im Zuge des Entlastungspaketes 2027 gemeinsam mit der regionalen und nationalen Politik diese Subventionskürzung aus dem Maßnahmenplan streichen und haben bis 2028 das aktuelle Konstrukt abgesichert. Wir sind aber weiterhin gefordert, gemeinsam mit der Politik ab 2029 eine alternative Lösung zu finden und befinden uns weiterhin in einem konstruktiven Dialog.
«In den nächsten drei bis vier Jahren steht eine umfangreiche Pistensanierung auf dem Programm»
Im Zuge dessen gab es im vergangenen Jahr nur eine abgespeckte Form der Pistensanierung. Sind weitere Investitionen in naher Zukunft notwendig?
Krutzler: Ja, wir haben im vergangenen Jahr lediglich eine erhöhte Instandhaltung der Piste durchgeführt, doch in den nächsten drei bis vier Jahren steht eine umfangreiche Pistensanierung auf dem Programm. Außerdem müssen auch die Rollwege und die Abstell-/Vorfeldflächen mittelfristig saniert werden.
Wie sehen Sie anlässlich des Jubiläums die Zukunft des Flugplatzes und der Fluglinie?
Krutzler: Durch die konstruktiven Gespräche mit den regionalen, nationalen, aber auch grenzüberschreitenden politischen Institutionen im Zusammenhang mit dem zuvor geschilderten Entlastungspaket haben wir einen substanziellen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind ökonomisch solide aufgestellt, damit wir notwendige Investitionen auch durchführen können. Somit können wir für die nächsten Dekaden weiterhin einen sicheren Betrieb gewähren und sichern somit den gesamten Aviatik-Standort St.Gallen-Altenrhein nachhaltig ab.
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