Wer kennt es nicht, das Antlitz der Mi-24? Der Kampfhubschrauber aus der Sowjetunion, von seinen Piloten dank seiner Robustheit und der starken Panzerung als “fliegender Panzer” geadelt, ist eine Ikone des Kalten Krieges. Der Helikopter wurde seit dem Jungfernflug des Prototyps im September 1969 tausendfach gebaut und in alle Welt exportiert.
Noch heute rollen in Rostow am Don (Russland) neue Exemplare der modernsten Version Mi-35M aus der Fabrik, in Gestalt der stark verbesserten Mi-35P bietet Russland einen Upgrade-Standard vornehmlich für die weltweite Bestandsflotte an.
Zumindest in unseren Breiten wird die Silhouette der Mi-24/Mi-35 allerdings immer mehr zur Rarität. So musterte der langjährige Nutzer Tschechien seine Mi-35 Ende 2023 aus und ersetzte sie durch die Bell AH-1Z Viper aus den USA. Anfang Februar dieses Jahres legten auch die ungarischen Streitkräfte ihre letzten Mi-24P still, die sie einst aus Beständen der ehemaligen DDR übernommen hatten.
Dennoch findet sich selbst im NATO-Raum mindestens eine Nation, die immer noch auf die Mi-24 setzt. Eine zweite führt die legendäre “Hind”, so der Codename der NATO, zumindest noch im Inventar auf. Ansonsten konzentriert sich das Gros der in Europa anzutreffenden Mi-24 und Mi-35 naturgemäß Länder jenseits der NATO-Ostgrenze.
Polen, Russland, Ukraine – und wer noch?
Das sind die verbliebenen Betreiber der Mi-24 (und Mi-35) in Europa:
1
Petar Petrov/Sky Pictures Bulgaria/NurPhoto via Getty Images
Bulgarien (NATO)
Ob die bulgarischen Mi-24 wirklich noch fliegen, ist strittig. Offizielle Angaben dazu sind Mangelware – mit Ausnahme der Meldung, dass die Bulgaren ebenfalls mehrere “Hinds” an die Ukraine weitergereicht haben. So holte im August 2025 eine ukrainische Antonow An-124 mindestens drei bulgarische Mi-24 in Plowdiw ab.
Aktuell soll Bulgarien, seit 2004 NATO-Mitglied, nach unbestätigten Informationen noch über zwei bis vier flugfähige Mi-24D verfügen. Ob das tatsächlich zutrifft, ist fraglich – womöglich ist die Ära aktiver Mi-24 in Bulgarien bereits beendet.
2

Sean Gallup/Getty Images
Polen (NATO)
Polen will seine Mi-24 durch neue AH-64E Apache-Kampfhubschrauber aus den USA ersetzen. Die ersten Apaches sind bereits auf Leihbasis im Land und haben die “Hind” von der 56 Baza Lotnicza in Inowrocław (Hohensalza) vertrieben. Bis ab 2028 die ersten eigenen AH-64E eintreffen, wird Polen die Mi-24D/W allerdings wohl auf der 49 Baza Lotnicza in Pruszcz Gdański (Praust) weiterbetreiben.
Im Jahr 2023 spendete die polnische Regierung zehn bis zwölf Mi-24 an die Ukraine. Gegenwärtig dürften noch knapp 20 Mi-24 in polnischen Diensten stehen. Andere Quellen gehen von 29 Hubschraubern aus.
In jedem Fall ist Polen der größte verbliebene Mi-24-Nutzer in der NATO – und, sollte Bulgarien das Muster wirklich nicht mehr aktiv betreiben, auch der letzte.
3

Verteidigungsministerium Belarus
Belarus
Damit verlassen wir auch schon den NATO-Raum und richten den Blick nach Osten. In Belarus zum Beispiel ist die “Hind” nach wie vor der Kampfhubschrauber der Wahl.
Belarus nutzt die Mi-24 in mehreren Varianten – darunter die Mi-24K sowie die mit doppelläufiger 30-Millimeter-Kanone ausgerüstete Mi-24P, wie sie zuletzt auch in Ungarn flog. Außerdem setzt Belarus die modernisierte “Hind”-Version Mi-35M ein, die unter anderem über ein vollständig neues Avionik-Paket samt Glascockpit und stärkere WK-2500-Triebwerke verfügt. Äußerlich erkennbar ist die Mi-35M am starren Fahrwerk, kürzeren Stummelflügeln und ihrem Heckrotor, der wie bei der Mi-28 aus zwei übereinandergelegten, in X-Form angeordneten Zweiblattrotoren besteht.
Die ersten Mi-35M kamen im August 2023 in Belarus an, im April 2024 folgte eine weitere Lieferung, im Mai 2025 eine dritte. Insgesamt hat Minsk zwölf Exemplare des modernisierten “fliegenden Panzers” bestellt. Der belarussische Gesamtbestand der Mi-24/Mi-35 dürfte damit deutlich über 30 Hubschrauber betragen.
4

Serbisches Verteidigungsministerium
Serbien
Serbien – auf dem Balkan umringt von NATO-Mitgliedern – erhielt 2019 aus Russland vier fabrikneue Mi-35M. Im November 2023 verstärkten die Serben ihren “Hind”-Bestand mit der Übernahme von insgesamt elf gebrauchten Mi-35P aus Zypern, die dort mangels Versorgung mit Ersatzteilen aus Russland zuletzt nicht mehr genutzt werden konnten.
Kurioserweise übernahm seinerzeit Antonov Airlines aus der Ukraine mit einer An-124 den Transport der Mi-35P aus Zypern nach Serbien, obwohl die Serben traditionell als Verbündete Russlands gelten.
Die ersten sechs beim Unternehmen Fabrika aviona Utva in Pančevo überholten und neu lackierten Mi-35P aus Zypern wurden im September 2024 auf dem Fliegerhorst Batajnica erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
5

Artyom Anikeev/Stocktrek Images (via Getty Images)
Russland
Klar, Russland nimmt im Kreis der europäischen (und weltweiten) Mi-24-Nutzer wenig überraschend die Spitzenposition ein. Mit derzeit vermutlich rund 320 aktiven Mi-24 und Mi-35 zahlreicher Varianten bleibt die “Hind” in ihrem Ursprungsland der mit Abstand wichtigste Kampfhubschrauber.
Die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte fliegen die Mi-24 maßgeblich in den Varianten P und W. Außerdem setzt Russland die “Super Hind” Mi-35M ein, die ersten Exemplare stießen 2011 zur Truppe. Die aktuelle Zahl aktiver russischer Mi-35M ist unklar, die Angaben schwanken zwischen rund 60 und etwa 100 Exemplaren. Insgesamt sollen in Rostow am Don bis Anfang 2022 knapp 180 Mi-35M fertiggestellt worden sein – für Russlands Streitkräfte sowie für zehn Exportkunden. 30 weitere waren bis 2025 geplant.
Probleme macht den Russen allerdings seit den verschärften westlichen Sanktionen wohl das WK-2500-Triebwerk der Mi-35M. Dessen Stückzahlen blieben seit 2022 offenbar deutlich hinter dem Plan zurück, wodurch die russische Luftwaffe angeblich rund 20 Mi-35M vorübergehend stilllegen musste.
6

ARIS MESSINIS/AFP via Getty Images
Ukraine
Eine Blackbox, zumindest was die Gesamtzahl der aktiv genutzten Mi-24 angeht, ist die Ukraine. Seit Russlands Angriff am 24. Februar 2022 haben die ukrainischen Streitkräfte zahlreiche Mi-24 (und Mi-35) aus NATO-Ländern erhalten – so unter anderem aus Tschechien, aber auch aus Polen und Bulgarien (siehe oben).
Wie viele davon in den aktiven Einsatz gingen und wie viele als Teilespender endeten, bleibt nebulös. Der ukrainische “Altbestand” an Mi-24 soll Anfang 2022 rund 30 Exemplare betragen haben, wurde aber durch den Kriegseinsatz stark dezimiert. Mit den gespendeten Hubschraubern zusammen konnten, seriösen Schätzungen zufolge, derzeit rund 40 Mi-24 unterschiedlicher Baureihen für die Ukraine fliegen. Aufgrund der andauernden Kampfhandlungen ist diese Zahl aber volatil und wenig verlässlich.
Andere Mi-24-Nutzer in und um Europa
In der NATO führt(e) zuletzt auch Nordmazedonien noch eine knappe Handvoll Mi-24 im Bestand. Der Status dieser Exemplare ist allerdings unklar – Nordmazedonien hatte 2001 insgesamt zwölf Mi-24 aus der Ukraine erhalten, die später teilweise gar ein Upgrade durch Elbit aus Israel erhielten. Allerdings bekundete die Regierung in Skopje 2023, man werde die Hubschrauber, die größtenteils ohnehin nicht mehr flugfähig seien, an die Ukraine zurückgeben. Laut Angaben in der jährlichen Streitkräfte-Übersicht “World Air Forces” sollen sich Ende 2025 noch vier Mi-24 in den Reihen der nordmazedonischen Armee befunden haben.
Im Kaukasusgebiet zwischen Europa und Asien besitzen außerdem noch Armenien (angeblich 15 Exemplare), Aserbaidschan (16) sowie Georgien (9) nennenswerte Mi-24-Bestände. Darüber hinaus findet sich das Muster bei den Streitkräften der abtrünnigen Region Abchasien (offenbar mindestens zwei aktive Mi-24).

