“TIA 4a” war kurz, aber wichtig. Boeing hat das Unterkapitel der FAA-Zulassung für die 777-9 im Frühjahr mit Enteisungstests in Alaska abgehakt. “So mussten wir später nicht nach Wetter suchen”, sagte Boeing-Chef Kelly Ortberg im April 2026 vor Investoren.
Zu einer neuen Verzögerung kommt es dennoch. Die Zertifizierung der 777-9 werde – Stand jetzt – “hoffentlich Anfang nächsten Jahres erfolgen”, sagte FAA-Direktor Bryan Bedford jüngst auf einer Branchenkonferenz in Charleston.
Die in fünf Abschnitte unterteilte Endzulassungsphase schreitet aber immerhin voran – Boeing und FAA arbeiten sich seit Kurzem durch “TIA 4b”. Der Abschnitt sei der “größte noch verbleibenden Teil unserer Flugtests mit der FAA”, sagte Stephanie Pope, Chefin der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, “Leeham News”.
In “TIA 4b” stehen weitere Tests der Avionik, der Stabilität und Steuerbarkeit im Flug und Flugtests unter Berücksichtigung menschlicher Faktoren auf dem Programm.
Die 777X-Zulassung ist für Boeing und FAA gleichermaßen ein ziemlich zähes Unterfangen. Die Testflotte aus vier Prototypen musste die Flugerprobung wiederholt unterbrechen, um aufgetretene Schwachstellen, etwa an Streben im Bereich der Triebwerksaufhängung, zu beheben.
Lufthansa
Lufthansa wird Erstbetreiber der Boeing 777-9 – frühestens aber 2027.
Lufthansa ist auf alles vorbereitet
Designierter Erstbetreiber der 777-9 ist Lufthansa. Auf eine “weitere Verspätung” der 777-9 ist Lufthansa bereits mit einer Ersatzlösung gewappnet, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr Anfang Mai 2026 in Frankfurt. In diesem Fall werde Lufthansa 2027 “kleinere (Airbus) A340-300” in “höherer Zahl” fliegen als eigentlich vorgesehen.
Die 777-9 werden am Drehkreuz Frankfurt Boeing 747-400 ersetzen. Zumindest erste 777-9 werden laut Lufthansa-Kreise ohne First Class, aber mit einer großen Allegris-Business-Class geliefert.
Boeing: “Change Incorporation” für 30 777-9
Weil die 777-9 ihr Airlineleben so oder so mit rund sieben Jahren Verspätung antreten wird, muss Boeing an einige bereits gebaute Flugzeuge nochmal ran.
Im Konzern sei inzwischen ein Team mit der sogenannten “Change Incorporation”, den technischen Modifikationen dieser Flugzeuge, befasst, sagte Boeing-Chef Kelly Ortberg im April 2026 vor Investoren. Konkret seien “rund 30 Flugzeuge” betroffen, “die den Change-Incorporation-Prozess über mehrere Jahre durchlaufen werden”.
Vor der Auslieferung werden an bereits gebauten 777-9 alle Modifikationen eingepflegt, die sich im Zuge des Zulassungsverfahrens und aus zwischenzeitlichen Produkt- und Prozessentwicklungen ergeben haben. “Das ist ein Großprojekt”, sagte Ortberg.

