Schon von Weitem erkennt man bei der Anfahrt mit dem Auto unzählige Flugzeugleitwerke, scheinbar aus dem Wüstenboden ragend. Im Nordwesten von Victorville befindet sich auf dem Gelände des Southern California Logistics Airport (SCLA) einer der bekanntesten und größten Flugzeugfriedhöfe der Welt.
Bis 1992 gehörte das Gelände der U.S. Air Force (George Air Force Base). 1994 eröffnete dort nach dem Rückzug des Militärs als unmittelbarer Vorgänger des SCLA der Southern California International Airport und operierte bis August 1996.
Auf dem knapp 900 Hektar großen Gelände werden Wartung und Fertigstellung von Flugzeugen, Flugerprobung, Flugzeugforschung und -entwicklung, Flugzeuganlagenmanagement und Dienstleistungen am Ende des Lebenszyklus von Flugzeugen angeboten. Um den Flughafen als Schwerlast- und Industrieflughafen zu positionieren, verlängerte man um die Jahrtausendwende die Landebahn 17/35 auf stolze 4700 Meter Länge, sodass auch bei starker Sommerhitze voll beladene Frachter abheben können. Das macht sie zur zweitlängsten öffentlich genutzten Start- und Landebahn der USA (hinter der 16R/34L in Denver). Die zweite Bahn in Victorville (03/21) misst 2785 Meter.
Ralf Plechinger
Ins Auge stechen auf dem Gelände vor allem die vielen ausrangierten Dreistrahler, die in der Wüstensonne vor sich hin dämmern.
Ideale Lagerbedingungen
Das extrem trockene Wüstenklima schafft ideale Bedingungen für das langfristige Konservieren von Flugzeugen. Die Firma ComAv Technical Services betreibt auf dem SCLA ein 97 Hektar großes Freilager mit einer Kapazität von über 500 Flugzeugen und Hangars, in welchen weitere Maschinen untergebracht werden können.
Die Corona-Krise bescherte dem Flughafen und ComAv einen wahren Boom. Viele Airlines wollten ihre großen Flugzeuge möglichst kostengünstig abstellen und für bessere Zeiten einlagern. Der SCLA war dafür ideal.

Ralf Plechinger
Boeing MD-11F finden sich in Victorville in rauen Mengen. Abheben werden sie wahrscheinlich nie mehr.
Dreistrahler im Dornröschenschlaf
Nach der Pandemie wurden viele Maschinen von den Airlines wieder abgeholt und zurück in den Betrieb versetzt. Doch noch immer warten hunderte von Flugzeugen auf dem Gelände auf ihr Schicksal.
Vor allem die zahlreichen Dreistrahler, hauptsächlich Boeing MD-11F, stechen ins Auge. Für sie wird Victorville wohl Endstation sein. Nicht nur, weil die Ära der großen Dreistrahler längst Vergangenheit ist, sondern auch, weil die MD-11 sowie die Vorgängerin DC-10 seit dem tragischen Absturz einer MD-11F von UPS Airlines im November 2025 in Louisville (Kentucky) mit Flugverbot belegt sind – was das Aus für das Muster zumindest bei UPS bedeutete, während Mitbewerber FedEx zumindest formell noch mit der Rückkehr der MD-11F plant.

Ralf Plechinger
Die DC-10-Löschbomber des Unternehmens 10 Tanker sind aktuell zum Nichtstun verdammt.
DC-10-Löschbomber dürfen nicht fliegen
Auch die Feuerlöschfirma 10 Tanker hofft auf ein baldiges Ende des Flugbanns für die Trijets. 10 Tanker hat ihre Hauptbasis für Wartung und Bereitstellung am SCLA. Eigentlich betreibt sie vier DC-10-30, die aus ihren Tanks jeweils 35.500 Liter Löschmittel abwerfen können. Doch bis auf Weiteres ist die Flotte ebenso zum Nichtstun verdammt, wie die vom privaten Unternehmen Omega Tanker fürs US-Militär betriebenen KDC-10, die früher für die niederländische Luftwaffe flogen – und sich nun in der Wüste die Fahrwerksbeine in den Bauch stehen.

Ralf Plechinger
Alte Bekannte: Diese KDC-10 flog bis vor wenigen Jahren für die niederländische Luftwaffe und war in Eindhoven zu Hause. Heute gehört sie dem Unternehmen Omega Tanker.
Militärbetrieb und eine Rekord-Cessna
Das Militär hat sich indes nicht ganz aus Victorville zurückgezogen. Am Gelände des Flughafens befindet sich noch ein logistisches Areal der US-Streitkräfte. Zudem dient der SCLA für die An- und Abreise von Truppen zum nicht weit entfernten nationalen Ausbildungszentrum der Armee Fort Irwin. Jährlich pendeln hier 70.000 Soldaten.
Für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde sorgte im Jahr 2000 eine Cessna 172. Deren Pilot legte auf der großen Startbahn den längsten Wheelie der Welt hin. Über eine Distanz von 4364 Meter befand sich das Bugrad ständig in der Luft. Gerollt wurde nur auf den Rädern des Hauptfahrwerks.

