Ryanair-Flug FR1879 kehrt nach Thessaloniki zurück, nachdem ein Kabinenfenster bricht und ein Passagier fast aus der Maschine gesogen wird. Alle Details zum Zwischenfall.
Ein Kabinenfenster, das im Steigflug bricht, ein Passagier, der von Mitreisenden zurück in seinen Sitz gezogen wird – der Ryanair-Zwischenfall vom Freitagmorgen in Thessaloniki hätte deutlich schlimmer ausgehen können. Flug FR1879, durchgeführt von der Ryanair-Tochter Malta Air, war um 6:12 Uhr Richtung Memmingen gestartet. Auf rund 15.000 Fuß Höhe zerbrach mindestens ein Fenster der Boeing 737-800 mit dem Kennzeichen 9H-QEU.
Das Video zeigt das gebrochene Fenster
Passagier wird an geborstenes Fenster gesogen
Augenzeugen beschrieben dramatische Szenen an Bord. „Sein Kopf und seine Schultern ragten aus dem zerbrochenen Fenster heraus“, schilderte eine Zeugin dem griechischen Sender ERT. Mitreisende hielten den Mann fest und zogen ihn zurück auf seinen Platz. Bei dem Betroffenen soll es sich um einen 61-jährigen serbischen Staatsbürger handeln. Laut übereinstimmenden Berichten erlitt er Reibungsverbrennungen und eine Nackenverletzung, schwebte aber nicht in Lebensgefahr. Eine schwangere Passagierin wurde vorsorglich ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht, konnte dieses jedoch bereits wieder verlassen.
Der plötzliche Druckabfall in der Kabine löste zudem die Sauerstoffmasken aus. Auf Fotos und Videos, die kurz nach dem Vorfall in sozialen Netzwerken kursierten, ist zu sehen, wie die Masken aus den Deckenfächern hängen.
Sofortiger Sinkflug und Rückkehr nach Thessaloniki
Die Piloten reagierten unmittelbar: Sie leiteten einen schnellen Sinkflug unter 3.000 Meter ein und entschieden sich für die Rückkehr zum Startflughafen. Rund 60 bis 75 Minuten nach dem Abflug setzte die Maschine sicher wieder in Thessaloniki auf. Die Passagiere kehrten anschließend ins Terminal zurück, der verletzte Mann wurde vom Rettungsdienst in ein Universitätsklinikum gebracht.
Unklare Ursache: Triebwerksschaden im Verdacht
Zur genauen Unfallursache gibt es bislang nur unbestätigte Angaben. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass ein abgelöstes Teil eines Triebwerks das Fenster getroffen haben könnte. Nach einer weiteren Version der Ereignisse hatte die Crew bereits vor dem Fensterbruch auf eine Fehlermeldung an einem Triebwerk reagiert und den Rückflug eingeleitet. Die Trümmer sollen demnach erst im Sinkflug gegen die Kabine geschlagen sein. Eine offizielle Bestätigung von Ryanair oder den griechischen Behörden zur Unfallursache steht noch aus, Ermittlungen wurden aber bereits aufgenommen.
Ryanair bestätigte auf Anfrage lediglich, dass sich kurz nach dem Start „ein Passagierfenster gelöst“ habe und die Maschine daraufhin nach Thessaloniki zurückgekehrt sei. Ein Passagier habe vor Ort um medizinische Hilfe gebeten und diese erhalten.
Ersatzflugzeug bringt Passagiere nach Memmingen
Um die Verspätung möglichst gering zu halten, organisierte die Airline ein Ersatzflugzeug. Dieses startete um 9:53 Uhr Ortszeit in Thessaloniki, um die Reisenden mit einigen Stunden Verzögerung doch noch nach Memmingen zu bringen.
Der Vorfall erinnert an ähnliche Fälle in der Luftfahrtgeschichte, etwa an den Triebwerksausfall einer Southwest-737 im Jahr 2018, bei dem ebenfalls Trümmerteile ein Fenster beschädigten. Solche Ereignisse zeigen, wie eng Triebwerksschäden und die strukturelle Sicherheit der Kabine miteinander verknüpft sein können, auch wenn im aktuellen Fall die endgültige Ursache erst durch die laufenden Ermittlungen geklärt werden dürfte.

