Bestellt ist der Träger, der bis spätestens 2038 die “Charles de Gaulle” ersetzen soll, seit Ende 2025. Ein Schwesterschiff ist nicht geplant – das könnte sich bald ändern.
Parlamentsbericht drängt auf Beschaffung
In einem im Oktober veröffentlichten Parlamentsbericht für den Ausschuss für nationale Verteidigung wird darauf gedrängt, bis 2029 einen zweiten Flugzeugträger in Auftrag zu geben. So könne dauerhafte Präsenz auf See gewährleistet werden.
Im Augenblick besitzt die französische Marine nur den atomgetriebenen Flugzeugträger Charles de Gaulle. Instandsetzung und Wartung des Trägers sorgen dafür, dass das Schiff nicht ständig einsatzfähig sein kann und entsprechend keine Flugzeugträgerkampfgruppe zur Verfügung steht.
Gegen 2038 soll Schluss sein für den Legacy-Träger. Im Zeitraum zwischen 2035 und 2038 will die Marine sowohl den neuen als auch den alten Flugzeugträger gleichzeitig betreiben, um die Ausbildung der Besatzung zu erleichtern.
Verlängerung der Einsatzzeit wohl nicht in Sicht
Für eine potenzielle Dienstverlängerung der Charles de Gaulle nennt der Bericht einige technische Hürden, wie den Austausch der Kernbrennstoffe und Korrosionsüberprüfung. Alles in allem könnte das zwei Milliarden Euro kosten. Eine offizielle Bewertung dieser Option wird 2028 nach einer Überholung des Schiffes erwartet. Wahrscheinlich ist eine Genehmigung durch das Parlament allerdings nicht.
Schwesterschiff soll Kosten sparen
Ein zweiter Träger böte, so der Bericht, erhebliche industrielle und finanzielle Vorteile. Ein zweiter Rumpf wäre etwa 30 Prozent günstiger als das Typschiff, denn Forschung und Entwicklung seien bereits abgeschlossen. Außerdem würde ein Bau des Schiffes direkt nach dem Bau der France Libre in derselben Werft (Chantiers de l’Atlantique) eine Kostensenkung bedeuten.
Damit sich die Wartungszyklen der beiden Träger nicht überschneiden, schlägt der Bericht das Jahr 2029 als idealen Zeitpunkt für die Auftragserteilung vor.
Einen ganzen zweiten Trägerverband sieht der Bericht hingegen nicht vor. Die ganze Begleitflotte an Versorgungsschiffen und Fregatten soll nicht nötig sein, da die Träger nicht gleichzeitig operieren sollen, sondern lediglich dauerhafte Einsatzfähigkeit garantieren müssen. Eine Erweiterung der französischen Fregatten wird dennoch vorgeschlagen, um die Marine konkurrenzfähig zu halten.
Zusätzliches Material müsste für das neue Trägerschiff dennoch beschafft werden, 12 zusätzliche Rafale M, die einsitzige Trägervariante der Rafale, und zwei E-2D. Besatzung und Flugzeuge sollen rotieren.
Was kann der neue Träger
Mit 80.000 Tonnen Verdrängung, 310 Metern Länge und 90 Metern Breite ist das neue Schiff deutlich größer als die Charles de Gaulle.
Angetrieben wird der Flugzeugträger von zwei K-22-Druckwasserreaktoren, die eine praktisch unbegrenzte Reichweite und bis zu 27 Knoten Höchstgeschwindigkeit ermöglichen.
Das abgewinkelte Flugdeck ist mit dem US-amerikanischen Katapultsystem EMALS sowie dem Fangsystem AAG von General Atomics ausgestattet. Damit sind gleichzeitige Starts und Landungen möglich, was der heutige französische Träger nicht kann. Im intensiven Gefechtsbetrieb sind rund 60 Einsätze pro Tag vorgesehen.
An Bord sollen etwa 30 Kampfflugzeuge stationiert werden, zunächst Dassault Rafale M F5, dazu drei E-2D Advanced Hawkeye und bis zu sechs NH90. Das Schiff ist zudem darauf ausgelegt, später unbemannte Kampfflugzeuge und einen Kampfjet der nächsten Generation aufzunehmen. Die Kosten für den Träger werden auf 10 Milliarden Euro geschätzt.

