Es ist eine Idee wie aus einem Science-Fiction-Film: Sonnenlicht soll auf Bestellung von einem Satelliten aus dem Orbit gezielt auf bestimmte Gebiete auf der Erde reflektiert werden – einfach um Licht zu haben oder um Energie zu erzeugen. Reflect Orbital aus Kalifornien ist der Umsetzung dieser durchaus umstrittenen Idee einen Schritt näher gekommen. Die Federal Communications Commission (FCC) hat dem jungen Unternehmen kürzlich den Funkbetrieb für seinen ersten Demo-Satelliten, Eärendil-1, in einer niedrigen Erdumlaufbahn genehmigt.
Eärendil-1 soll im Orbit einen Dünnschichtreflektor mit einer Seitenlänge von 18 Metern ausfahren und das Sonnenlicht auf die Erde reflektieren. Der 142 Kilogramm schwere Satellit soll noch dieses Jahr starten und von einem Orbit in 600 bis 650 Kilometer Höhe aus operieren. Mit Eärendil-1 soll zunächst die Fähigkeit, reflektiertes Sonnenlicht für einige Minuten zielgenau auf bestimmte Gebiete zu richten, getestet werden.
Sonnenlicht auf Bestellung
Doch die Ambitionen von Reflect Orbital sind größer: “Unser Ziel ist es, Licht und Energie bereitzustellen, um die bestehende Solarinfrastruktur auch außerhalb der Zeiten, in denen direktes Sonnenlicht verfügbar ist, besser nutzbar zu machen, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern, die Energieversorgungssicherheit zu erhöhen und kritische Betriebsabläufe zu unterstützen”, heißt es in einem Blog-Post von Mitgründer und CTO Tristan Semmelhack. Längerfristig plant Reflect Orbital eine Konstellation aus 50.000 Satelliten.
Umweltschützer und Astronomen kritisieren die Pläne. Das reflektierte Sonnenlicht einer solchen Konstellation könnte den Biorhythmus von Pflanzen und Tieren beeinflussen, befürchten die einen. Die anderen sehen durch das verstärkte Hintergrundlicht die Weltraumbeobachtung von der Erde aus gefährdet.
Enger Rahmen für Betrieb – laut Reflect Orbital
Die FCC wiederum sieht die Berücksichtigung solcher Kritikpunkte nicht als ihre Aufgabe. “Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Eärendil-1 auf die optische Astronomie nicht in den Rahmen unserer Prüfung und Genehmigung der Raumstation fallen und keine Grundlage für eine Ablehnung oder zusätzliche Auflagen für den Betrieb von Reflect Orbital darstellen”, so die FCC. Das Unternehmen habe sich verpflichtet, mit der NASA und der National Science Foundation (NSF) zusammenzuarbeiten, um die optische Astronomie zu schützen, und sich gemeinsam mit der breiteren astronomischen Gemeinschaft mit deren Bedenken auseinanderzusetzen.
Reflect Orbital gibt an, dass künftige Satelliten standardmäßig “aus” sein und nur nach Anfrage, Genehmigung und in engem Rahmen angeschaltet werden sollen. Zudem sollen Ausschlusszonen definiert werden, beispielsweise rund um Observatorien, Naturschutzgebiete und andere sensible Regionen. Reflect Orbital will die Umweltauswirkungen seiner Technologie selbst untersuchen, aber auch von Dritten untersuchen lassen. Ob das reicht, um aus einer Science Fiction einen Science Fact zu machen, muss sich noch zeigen.

