Die Nachricht kam überraschend und traf die rund 60 Mitarbeiter mit der vollen Wucht des US-amerikanischen Arbeitsmarkts. Ein Aushang an der Tür des Werks in Battle Creek, Michigan, verkündete das Aus für WACO Aircraft: “Schweren Herzens teilen wir einige zutiefst schwierige Neuigkeiten über die Zukunft der WACO Aircraft Corporation, Centennial Aircraft Services und der Dimor Group Inc. Nachdem wir jeden möglichen Weg ausgeschöpft haben, um unseren Betrieb am Laufen zu halten, hat der Besitzer die schmerzhafte Entscheidung getroffen, die Flugzeugproduktion und Wartungsdienstleistungen in den USA mit sofortiger Wirkung einzustellen.” Per E-Mail wurden die meisten Beschäftigten dazu aufgefordert, nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen.
Entsprechende Berichte finden sich in US-amerikanischen Medien, wo auch ein Foto des Aushangs zu sehen ist. Die Echtheit des Bilds lässt sich allerdings nicht verifizieren. Auf der Website von WACO Aircraft ist vom plötzlichen Aus keine Rede – dort geht es noch um den Auftritt bei Sun`n Fun und um weitere internationale Airshows.
Investitionen in den USA
Eigentümer der DIMOR Group ist der Kölner Unternehmer Dieter Morszeck, gleichzeitig Gründer und Inhaber des Flugzeugherstellers Junkers Aircraft. Ende 2018 hatte die DIMOR Group den US-amerikanischen Hersteller WACO Aircraft übernommen und den Aufbau eines Vertriebsnetzwerks der klassischen Doppeldecker für Europa über die Schweiz angekündigt. Anfang 2025 informierte die Firmengruppe über eine weitere Investition in Höhe von zwölf Millionen US-Dollar in den Campus in Battle Creek, Michigan. Geplant war der Bau eines Werks für Junkers Aircraft, das im Sommer 2025 in Betrieb gehen sollte. Wie es damals hieß, hatte die DIMOR Group bereits in der Vergangenheit fast 30 Millionen US-Dollar in den US-Standort investiert.
DIMOR Group
Geplant war ein weiterer Ausbau des Standorts in Battle Creek – stattdessen beendet die DIMOR Group überraschend ihr Engagement in den USA.
Neuflugzeuge mit Retro-Charme
Dieter Morszeck hat sich dem Bau historisch anmutender Flugzeuge verschrieben. Den Anfang bei den eigenen Projekten machte 2016 der Nachbau der Junkers F 13 – alle drei gebauten Replikate sind heute unter dem Dach eines Schweizer Vereins für Rundflüge im Einsatz. Die folgte gegründete Firma Junkers Aircraft produziert die ultraleichte Junkers A50 Junior sowie die Side-by-Side-Version A60 in Oberndorf am Neckar.

WACO Aircraft Corporation
Seit 1983 wurden Doppeldecker wie die YMF-5 nach historischem Vorbild unter Einsatz moderner Materialien wieder hergestellt.
WACO-Doppeldecker YMF-5
Standbein in den USA sollte neben Junkers auch WACO Aircraft sein: Seit 1983 wurden Doppeldecker wie die YMF-5 nach historischem Vorbild unter Einsatz moderner Materialien wieder hergestellt. 2011 hatte WACO zudem die Great Lakes neu aufgelegt.
Über die Gründe für das Aus lässt sich nur spekulieren. Der GAMA-Report weist für das Jahr 2025 nur vier ausgelieferte Flugzeuge der DIMOR Group aus: Drei WACO YMF-5 Super und eine Junkers A50 als S-LSA-Version für die USA. Der GAMA-Bericht enthält keine Ultraleichtflugzeuge, wie sie für Europa gebaut und ausgeliefert werden. Eine Stellungnahme seitens Junkers Aircraft gibt es derzeit nicht.

