Auf dem Flughafen Witebsk parkt seit fast fünf Jahren eine echte Airliner-Ikone aus der UdSSR: Die Iljuschin Il-62M mit der Seriennummer 1356234 hat hier Anfang August 2021 ihre neue Heimat gefunden. Die belarussische Frachtfluggesellschaft Rada Airlines überführte sie seinerzeit aus Gambia, wo sie zwischen 2005 und 2016 mit dem Kennzeichen C5-RTG als VIP-Flugzeug für die Regierung des westafrikanischen Landes gedient hatte. Danach war sie am Hauptstadtflughafen Banjul eingemottet und 2018 offiziell ausgemustert worden.
Der Mantel des Vergessens schien sich über den seltenen Sowjet-Vierstrahler zu senken – doch dann trat Rada Airlines auf den Plan. Der Cargo-Carrier mit Sitz in Minsk ist das weltweit einzige Unternehmen, das die Il-62M im regulären, kommerziellen Dienst betreibt. Zwei zu Frachtern umgerüstete Il-62MGr zählen seit Jahren zur Flotte. Sie tragen die Kennzeichen EW-450TR und EW-505TR. Erstere flog in jungen Jahren für die DDR-Fluglinie Interflug.
Die ehemals gambische Il-62M ist seit ihrer Überführung nach Witebsk als EW-564TR in Belarus registriert. Allerdings war es nach dem einen Flug am 8. August 2021, der von Banjul über Djerba nach Witebsk führte, abermals still geworden um das Flugzeug.
“Arbeiten” haben begonnen
Inzwischen ist die Il-62M 33 Jahre alt, was für eine Il-62M immer noch kein Alter ist – und ist offensichtlich noch ganz gut in Schuss, wie ein aktuelles Bild der Maschine aus Witebsk belegt, das der Telegram-Kanal “OtVinta” am 10. April veröffentlicht hat. Und “OtVinta” hat noch mehr Neuigkeiten – denn offenbar soll die Iljuschin jetzt tatsächlich reaktiviert werden. “Laut meinen Quellen in der Luftfahrtindustrie haben am Flughafen Witebsk die Arbeiten an der Il-62M der Frachtfluggesellschaft Rada Airlines (Kennzeichen EW-564TR) begonnen, die zuvor eingelagert war”, schreibt der Kanal zu dem Foto.
Rada Airlines
Von der Il-62M fliegen weltweit nur noch rund ein Dutzend Exemplare. Rada Airlines ist der einzige Betreiber, der das Muster im regelmäßigen, kommerziellen Einsatz nutzt. Und der einzige mit Il-62-Frachtern.
Rada will den Jet selbst nutzen
Ob die EW-564TR im Zuge dieser “Arbeiten” einen Umbau zum Frachter Il-62MGr erhält, bleibt offen – liegt aber nahe, da Rada Airlines wohl kaum Ambitionen hegen dürfte, ins Passagiergeschäft einzusteigen. Auch eine Weitergabe des Flugzeugs an einen anderen Betreiber scheint ausgeschlossen. “OtVinta” schreibt hierzu: “Laut vorliegenden Informationen handelt es sich um ein Restaurierungsprojekt. Das Flugzeug soll von der Fluggesellschaft selbst eingesetzt und nicht an Dritte weitergegeben werden.”

Rada Airlines
Rada Airlines betreibt seit Jahren zwei Il-62MGr und fliegt damit zu Zielen in aller Welt. Die Flüge lassen sich auf Tracking-Apps wie FlightRadar24 nachverfolgen.
Wie die Il-62M zum Vollfrachter wird
Der MGr-Umbau umfasst bei der Il-62M ein großes seitliches Ladetor auf der Backbordseite des Rumpfs sowie den Einbau eines verstärkten, mit Rollen versehenen Kabinenbodens. Etwa 40 Tonnen Palettenfracht passen danach in die schlanke Sowjet-Schönheit.
Denkbar wäre allerdings auch, dass Rada Airlines die EW-564TR nicht als Vollfrachter, sondern als “Prachter” nutzt – also nur notdürftig für den Cargo-Betrieb modifiziert und nicht komplett umrüstet.
So oder so steht dem erst 1993 bei KAPO in Kasan gebauten Flugzeug, das seine Laufbahn einst als Regierungsflieger bei Uzbekistan Airways begann, wohl nach Jahren des Stillstands tatsächlich ein Comeback am Himmel bevor.

