Russland begeht am 17. Juli den 110. Jahrestag der Gründung der russischen Marineflieger. Der Überlieferung nach starteten damals vier Wasserflugzeuge vom Flugzeugträger “Orliza” der Baltischen Flotte, um eine Marinebasis auf der Insel Ösel gegen deutsche Flieger zu verteidigen. Laut russischer Darstellung schossen die Piloten zwei deutsche Maschinen ab. Feierstimmung herrscht bei den russischen Marinefliegern in diesem Jahr allerdings nicht, obwohl der ganze Juli der Monat der Marine ist.
Denn traditionell feiert die russische Marine in der letzten Juliwoche den “Tag der Marine”. Am letzten Sonntag des Monats bereiten die Seestreitkräfte dazu für gewöhnlich eine Schiffsparade inklusive Flugshow über St. Petersburg vor.
Das letzte Mal fand die Flugshow 2022 statt. Im vergangenen Jahr wurde sogar die gesamte Parade aus Sicherheitsbedenken abgesagt. Auch in diesem Jahr deutet alles darauf hin, dass es weder eine Air Show noch eine Schiffsparade geben wird.
Seit die Ukraine mehrfach erfolgreiche Angriffe auf russisches Territorium durchführt, wurden bereits mehrere Militärveranstaltungen deutlich abgespeckt. Auch bei der Siegesparade im Mai waren weniger Flugzeuge zu sehen.
Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht, doch zuletzt berichtete auch der britische Geheimdienst, dass eine Parade wohl nicht stattfinden werde. Vorbereitungen für eine Veranstaltung wurden bislang nicht getroffen.
Vor vier Jahren flog bei der Veranstaltung noch so gut wie alles, was die Marine zur Verfügung hatte: MiG-31, Su-24M, Su-25, MiG-29K, Su-27, Be-200 und auch Tu-142MK, dazu mehrere Hubschrauber sowie der U-Boot-Jäger und Seefernaufklärer Il-38.
Verluste auch bei den Marinefliegern
Seit Kriegsbeginn hat die russische Luftflotte immer wieder Verluste hinnehmen müssen. Seit 2024 trifft es vermehrt auch die Marineflieger. Nach Angaben der ukrainischen Drohnenbrigade 414 zerstörten ukrainische Drohnen in der Nacht zum 30. Mai zwei russische Maschinen des Typs Tu-142 der Marine auf dem Militärflugplatz Taganrog, rund 50 Kilometer westlich von Rostow am Don an der Küste des Asowschen Meeres. Die Einheit veröffentlichte Videomaterial des Angriffs auf ihrem Telegram-Kanal.
Der Flugplatz wird vom Flugzeughersteller Berijew betrieben, der auch für Wartung und Modernisierung der Tu-142-Flotte der russischen Nord- und Pazifikflotte zuständig ist. Die beiden betroffenen Maschinen sollen Berichten zufolge seit über zehn Jahren zur Wartung dort gestanden haben.
Die Gesamtzahl der Tu-142MR beläuft sich auf zwölf bis vierzehn Maschinen, verteilt auf Nord- und Pazifikflotte.
Russische Regierung
Vor vier Jahren gab es zuletzt eine Flugvorführung anlässlich des Tag der Marine. Dieses Jahr wird es wohl gar keine Parade geben.
Gemeinsame Marineübung mit China
Statt die Marineflieger bei der Parade Ende des Monats einem ukrainischen Drohnenangriff auszusetzen, verfolgt Russland offenbar eine andere Strategie zur Machtdemonstration.
Die chinesisch-russische Marineübung “Joint Sea-2026” ist am Montag in einem Militärhafen in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong zu Ende gegangen. Ein Teil der beteiligten Kräfte lief anschließend zu gemeinsamen Patrouillen im Pazifik aus.
Beide Seiten setzten insgesamt zehn Einheiten ein, darunter Überwasser-, U-Boot-, Luft- und Unterstützungseinheiten. Auf russischer Seite war unter anderem der Raketenkreuzer “Warjag” beteiligt, auf chinesischer Seite die Lenkwaffenzerstörer “Kaifeng” und “Anshan”.
Der chinesische Übungsleiter erklärte laut Agenturbericht, die Übung habe reale Kampfbedingungen zur See und in der Luft simuliert. Beide Streitkräfte hätten dadurch ihr gegenseitiges strategisches Vertrauen vertieft und ihre Fähigkeit zur gemeinsamen Bewältigung maritimer Krisen verbessert.

