Der Energiekonzern Uniper will ab Anfang der 2030er-Jahre synthetischen Flugkraftstoff aus Dänemark beziehen. Mit 40.000 Tonnen pro Jahr zählt die Vereinbarung mit Arcadia eFuels zu den größten bislang bekannten eSAF-Abnahmeverträgen in Europa.
Die europäische Luftfahrt steht vor einem Versorgungsproblem: Die gesetzlichen Beimischungsquoten für nachhaltige Flugkraftstoffe steigen, doch produziert wird bisher nur ein Bruchteil der benötigten Mengen. Besonders knapp ist synthetisches Kerosin, das aus Strom, Wasserstoff und CO₂ hergestellt wird. Genau hier setzt der Vertrag an, den Uniper und der Entwickler Arcadia eFuels in Düsseldorf unterzeichnet haben. Anwesend waren unter anderem die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und die dänische Generalkonsulin in Hamburg, Anette Galskjøt.
Das Projekt Endor: Hier soll das eSAF entstehen
Der Kraftstoff soll aus dem Projekt Endor im dänischen Vordingborg stammen. Arcadia eFuels setzt dort auf das Power-to-Liquid-Verfahren: Erneuerbarer Strom wird genutzt, um vor Ort grünen Wasserstoff zu erzeugen, der anschließend zusammen mit abgeschiedenem CO₂ zu flüssigem Kraftstoff synthetisiert wird. Über den gesamten Lebenszyklus sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber fossilem Kerosin um bis zu 98 Prozent sinken.
Uniper hat sich verpflichtet, über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren jährlich 40.000 Tonnen abzunehmen. Zur Einordnung: Nach Angaben der Unternehmen entspricht das dem Treibstoffbedarf von rund 1.000 Flügen einer Boeing 787-9 zwischen Düsseldorf und Abu Dhabi pro Jahr.
Warum der eSAF-Vertrag unter Vorbehalt steht
Der Vertrag ist zwar rechtlich bindend, doch der Lieferbeginn ist an Bedingungen geknüpft. Zum einen müssen vereinbarte Voraussetzungen erfüllt sein, zum anderen muss die Anlage in Vordingborg erst gebaut und in Betrieb genommen werden. Nach aktuellem Stand ist mit ersten Lieferungen Anfang der 2030er-Jahre zu rechnen.
Für Arcadia eFuels ist die Abnahmegarantie vor allem ein Finanzierungsargument. Großanlagen für synthetische Kraftstoffe erfordern hohe Investitionen, und Banken wie Investoren verlangen gesicherte Absatzmengen, bevor sie Kapital bereitstellen. Ein langfristiger Käufer wie Uniper senkt dieses Risiko erheblich. Die finale Investitionsentscheidung für Endor ist damit allerdings noch nicht gefallen.
eSAF und ReFuelEU: Der regulatorische Druck wächst
Hinter dem Deal steht vor allem die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation. Sie schreibt Treibstofflieferanten an EU-Flughäfen steigende Anteile nachhaltiger Kraftstoffe vor – und legt dabei eine eigene Unterquote für synthetische Kraftstoffe fest. Ab 2030 müssen durchschnittlich 1,2 Prozent des Kerosins synthetischen Ursprungs sein, bis 2050 soll dieser Anteil auf 35 Prozent steigen. Das eSAF von Arcadia ist als sogenannter RFNBO-Kraftstoff (Renewable Fuel of Non-Biological Origin) darauf ausgelegt, diese Vorgaben zu erfüllen.
Für Uniper eröffnet sich damit ein neues Geschäftsfeld. Der Düsseldorfer Konzern, bislang vor allem als Gas- und Stromversorger bekannt, positioniert sich als Händler für klimafreundliche Flugkraftstoffe in einem Markt, der absehbar wachsen wird – weil er wachsen muss.
So groß die Vereinbarung im europäischen Vergleich ist, so deutlich zeigt sie auch die Dimension der Aufgabe. 40.000 Tonnen jährlich sind gemessen am Kerosinverbrauch der europäischen Luftfahrt ein kleiner Beitrag. Um die ReFuelEU-Quoten zu erfüllen, wird Europa Dutzende Anlagen dieser Größenordnung benötigen. Ob der Hochlauf rechtzeitig gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob ausreichend grüner Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar ist – und ob Projekte wie Endor den Schritt vom Vertrag zur Produktion tatsächlich schaffen.

